Nimmt die Regierung die Cannabis-Industrie in Kanada ernst genug?

Nimmt die Regierung die Cannabis-Industrie in Kanada ernst genug?

Die Cannabis-Industrie in Kanada trägt fast so viel zum BIP bei wie die Milchwirtschaft

Cannabis-Industrie in Kanada
Präsident Trudeau hat Cannabis in Kanada legalisiert

Nimmt die kanadische Regierung, die erst vor einiger Zeit Cannabis landesweit legalisiert hat, die Cannabis-Industrie in Kanada ernst genug? Hat die Cannabis-Industrie in Kanada die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie es die anderen Wirtschaftszweige in Kanada haben? Ist es an der Zeit, dass die Regierung ihr Verhältnis zu Cannabis anpasst und normalisiert?

Die Cannabis-Industrie in Kanada trug in dem im Juli 2021 endenden Fiskal-Jahr gut 17 Milliarden Dollar zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kanadas bei. Innerhalb von nur drei Jahren nach der Legalisierung ist der Beitrag der Cannabis-Industrie in Kanada durch Freizeit-Weed für Erwachsene und medizinischem Hanf zum kanadischen BIP so groß geworden, dass er mit dem 20-Milliarden-Dollar-BIP der Milchindustrie mithalten kann.

Die Cannabis-Industrie in Kanada wächst weiter

Das aktuelle Wachstum der Cannabis-Industrie in Kanada zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Die Verkäufe legaler Cannabisprodukte durch die lizenzierten Abgabestellen im Land, werden 2021 auf Jahresbasis die 4-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten und im Jahr 2022 voraussichtlich 5 Milliarden Dollar erreichen. Die illegalen Cannabisverkäufe auf dem Schwarzmarkt, der leider immer noch nicht ganz verschwunden ist, aber schon deutlich weniger geworden ist, sind Schätzungen zufolge mindestens so groß wie der legale Markt, also weitere etwa 4 Milliarden Dollar pro Jahr.

Cannabis-Industrie in Kanada
legaler Eigenanbau in Kanada

Im Vergleich zu Alkohol hat der Umsatz der Cannabis-Industrie in Kanada den jährlichen Einzelhandelsumsatz von Wein (8 Mrd. $) oder Bier (9,3 Mrd. $) übertroffen oder wird dies bald tun. Es ist besonders erwähnenswert, dass im Gegensatz zu Bier oder Wein das gesamte in Kanada verkaufte Cannabis, sowohl medizinisch als auch für den Erwachsenengebrauch in selber Kanada hergestellt wird, was natürlich die Auswirkungen von Cannabis auf das kanadische BIP noch verstärkt, da es die Aussenhandelsbilanz nicht beeinflusst.

Anders ausgedrückt: Die legale Cannabis-Industrie in Kanada hat schon eine beeindruckende Größe und ist im ganzen Land gut verteilt anzutreffen.

Angesichts dieser Zahlen zum BIP und zu den Einzelhandelsumsätzen würde man erwarten, dass die kanadische Regierung das Potenzial einer schnell wachsenden Cannabisindustrie als Beitrag zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Agenda zur Kenntnis nimmt. Dennoch ist die allgemeine Auffassung eher die, dass die Regierung keinen so starken wirtschaftlichen Blick auf die eigene Cannabisindustrie hat.

Die Cannabis-Industrie in Kanada muss vom Staat gleichbehandelt werden

Infolgedessen hat die von Staat zugelassene und regulierte Cannabis-Industrie in Kanada auch keinen fairen Zugang zu den verschiedenen Regierungsprogrammen und -dienstleistungen, wie zum Beispiel Subventionen und andere Unterstützungen finanzieller oder materieller Art, die fast allen Industriesektoren in Kanada zur Verfügung stehen, insbesondere wachstumsstarken Sektoren wie es die Cannabis-Industrie in Kanada ist.

Cannabis-Industrie in Kanada
It`s only weed

Mit einem gerechten Zugang zu den Programmen und Dienstleistungen der Bundesregierung kann der Cannabissektor noch größere wirtschaftliche und soziale Vorteile für die Kanadier schaffen.

Bis heute haben die Inhaber von Cannabislizenzen Zehntausende von hochwertigen Arbeitsplätzen in Hunderten von Gemeinden in allen Provinzen Kanadas geschaffen. Legale Einzelhändler haben ebenfalls Tausende von Arbeitsplätzen an 2.800 Standorten in ganz Kanada geschaffen. Indirekte Arbeitsplätze wurden sowohl von den Neuen und auch den schon etablierten Anbietern von Nebendienstleistungen geschaffen. Den das Gras muß ja nicht nur angebaut werden, es muß auch verpackt, transportiert, vermarktet usw. werden, alles Arbeitsplätze die vorher nicht da waren.

Der legale Cannabissektor arbeitet mit Hochschulen und Universitäten bei der Forschung und Entwicklung innovativer Produkte für den Gesundheits- und Wellnessmarkt zusammen. Der Export von medizinischem Cannabis verspricht eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie zu werden, bei der Kanada im Moment noch eine weltweite Führungsrolle einnimmt, so sind die meisten Importe von Medi-Weed in Deutschland aus Kanada, gefolgt von den Niederlanden.

Cannabis-Industrie in Kanada
Grow your own, in Kanada geht`s

Die engere Zusammenarbeit zwischen den Lizenzinhabern, den legalen Einzelhändlern und der Regierung bei der Durchsetzung könnte die öffentliche Sicherheit noch weiter erhöhen und die „Abzweigung“ von Hunderten von Millionen Dollar an Steuereinnahmen verhindern. Ein Überdenken und Überarbeiten der staatlichen Überregulierung wird die legale Branche in die Lage versetzen, mit den bisher unregulierten Produzenten und Verkäufern auf dem illegalen Schwarzmarkt zu konkurrieren.

Nach drei Jahren legalem Cannabis und drei Bundestagswahlen ist es an der Zeit, dass die Regierung ihr Verhältnis zu Cannabis normalisiert. Die Akzeptanz von Cannabis in den politischen und staatlichen Eliten hinkt der Akzeptanz von Cannabis in der Bevölkerung von Kanada weit hinterher.

Für das „offizielle Ottawa“ bedeutet dies, dass sie selber Verantwortung übernehmen muss und die Aufsicht und Kontrolle der Cannabis-Industrie in Kanada nicht wie bisher an Health Canada abzuschieben, von denen man dann nur hört, dass Health Canada kein wirtschaftliches Mandat hat.

Mit einem willigen Regierungspartner könnte die legale Cannabis-Industrie in Kanada ihren bereits beträchtlichen Beitrag zum kanadischen BIP erhöhen und gleichzeitig die Bemühungen der kanadischen Regierung unterstützen, eine nachhaltige Wirtschaft und eine vielfältige, integrative und gerechte Gesellschaft zu schaffen.

Der Artikel „Nimmt die Regierung die Cannabis-Industrie in Kanada ernst genug?“ ist am 20. November 2021 erschienen.

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