Cannabis Überangebot überschwemmt Kalifornien

Cannabis Überangebot überschwemmt Kalifornien

„Es wird ein Blutbad werden“: Cannabis Überangebot bedroht die Farmer und die Legalisierung

Mark, unser Mann in Los Angeles, berichtet heute von einem Cannabis Überangebot in Kalifornien, und was das mit den Farmern und Preisen dort macht.

Wer in Kalifornien in die Cannabisbranche einsteigen möchte, sollte sich möglichst vom Verkauf von Cannabis an Erwachsene und Patienten von legalen Cannabis fernhalten, stattdessen sollte man sich lieber auf den Anbau stützen, was auch noch risikoreich genug ist. Californien, Sonne, Westcoast und Weed, das gehört für viele zusammen, und gerade dort, wo die Cannabis Legalisierung in Form von medizinischen Weed seit der ´90 Jahren loßging, tritt man heute auf der Stelle und kommt nicht richtig weiter.

In Kalifornien droht die Legalisierung in Schwierigkeiten zu geraten. Auf der einen Seite klappt es mit den Lizenzen und Steuern von Seiten des Staates nicht so wie geplant und gewollt, und auf der anderen Seite droht eine riesige Menge an bisher unverkauftem Cannabis den Markt durch das Cannabis Überangebot abzuwürgen.

In den meisten Städten des Bundesstaates ist der Einzelhandelsverkauf von Cannabis für Erwachsene immer noch nicht erlaubt. Viele der Städte, in denen dies der Fall ist, begrenzen die Anzahl der innerhalb der Stadtgrenzen erlaubten Verkaufsstellen (Dispensaries). Und fast jeder, der ein Einzelhandelsgeschäft betreibt, sagt, dass die hohen Steuern und das Cannabis Überangebot an billigem Gras auf dem illegalen Markt sie umbringen. Das ist also keine besonders gute Art, sein Geld zu verdienen!

Cannabis Überangebot durch Massenanbau

Der schnellste Weg, ins Cannabisgeschäft einzusteigen, besteht also darin, eine Anbaugenehmigung zu erhalten und große Mengen Cannabis anzubauen. Genau das haben die großen Unternehmen im Salinas Valley und in Santa Barbara County getan. Anders als zum Beispiel die Anbauer in Humbolt County, die seit Jahrzehnten einen spitzen Ruf für top-Qualität haben, wird dort Masse angebaut. Riesige Anbauflächen mit Standartgenetik, die nach kommerziellen Kriterien angebaut und geerntet werden, schaffen ein Cannabis Überangebot und drücken die Preise.

 Cannabis Überangebot
Cannabis Überangebot: Freilandanbau in Kalifornien

Was diese Produzenten laut Interviews mit Branchenexperten getan haben, ist, viel zu viel Cannabis anzubauen, und für ein regelrechtes Cannabis Überangebot zu sorgen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber nach einer groben Schätzung bauen die legalen Anbauer in Kalifornien mehr als dreimal so viel Cannabis an, wie in den legalen Verkaufsstellen überhaupt verkauft wird.

Unabhängig von der genauen Zahl sind Experten allgemein der Meinung, dass es sich um so viel Cannabis handelt, dass der Markt überschwemmt ist, die Preise einbrechen und die legalen Anbauer, die in diesem Jahr rote Zahlen schreiben, möglicherweise endgültig aus dem Geschäft gedrängt werden.
„Es wird ein Blutbad geben“, sagte ein Brancheninsider, der im Großhandel und Vertrieb tätig ist und nur unter der Bedingung der Anonymität mit unserem Autor sprach.

Wie viel Cannabis im Staat Kalifornien genau angebaut wird, ist immer noch ein Staatsgeheimnis, das nur den staatlichen Aufsichtsbehörden und ausgewählten Beamten bekannt ist. Aber anhand der verfügbaren Daten kann man jedoch einige Schätzungen vornehmen, die ein etwas genaueres Bild geben.

Nach der jüngsten öffentlichen Schätzung – die 2017 veröffentlicht wurde – liegt der Appetit des Staates auf Cannabis bei etwa 2,3 Millionen Pfund US-Pfund, also knapp 1 Millionen Kilo. Das schließt den medizinischen Konsum und den Konsum durch Erwachsene ein.

Das entspricht in etwa der Menge an Cannabis, auf die das State Department of Tax and Fee Administration nach den jüngsten verfügbaren Daten zwischen Juli 2020 und Juli 2021 Steuern für den Anbau erheben wird.

Mitte 2021 könnte der Staat jedoch bis zu dreimal so viel Cannabis produzieren, wie er verbrauchen kann, und so ein Cannabis Überangebot provozieren, so Natalynne DeLapp, Geschäftsführerin der Humboldt County Growers Alliance.

Diese Schätzung ergibt sich aus der Gesamtfläche der genehmigten und bei der staatlichen Behörde für Cannabiskontrolle registrierten Anbauflächen. Wenn man die Gesamtanbaufläche von Innendoor, Outdoor und Gewächshaus zusammenzählt, könnten die erlaubten, legalen Anbaukapazitäten in diesem Bundesstaat 6 Millionen Pfund an Cannabis-Ernte ergeben.

„Und das ist wirklich eine Milchmädchenrechnung“, sagte DeLapp, der sich für kleine Landwirte in den bewaldeten Hügeln und Bergen von Humboldt County einsetzt, dem traditionellen „Cannabisbasket“ des Staates. Die können nicht mit den riesigen Gewächshäusern konkurrieren, die in den Tälern von Salinas und Santa Barbara Cannabis minderer Qualität, aber mit höheren Gewinnspannen produzieren.

Der Lohn für die mehr als 2.500 Landwirte im Humboldt County, die sich 2016 um staatliche Lizenzen bemühten, noch bevor Cannabis für Erwachsene legalisiert wurde? Da der Preis für ein Pfund Outdoor-Cannabis auf unter 1.000 Dollar gesunken ist und die letztjährige Ernte unverkauft zurückgegeben wurde, „verkaufen sie ihre Farmen und ihre Unternehmen“, sagte sie.

 Cannabis Überangebot
Cannabis Überangebot: Anbau im Gewächshaus in Humbolt County

Doch dieses Überangebot an Cannabis bedroht nicht nur kleine Unternehmen, die noch versuchen, in einer aufstrebenden Branche Fuß zu fassen, sondern auch die Integrität der Marihuana-Legalisierung selbst.

Anderen Brancheninsidern zufolge wird, obwohl es in Kalifornien bereits zu viel Cannabis gibt, angeblich qualitativ hochwertigeres Cannabis, das in Oregon angebaut wird – wo die Produktionskosten niedriger sind -, über die Staatsgrenzen gebracht und in kalifornischen Apotheken angeboten. Wenn das stimmt, würde das gegen alle möglichen Gesetze verstoßen: staatliche, bundesstaatliche, was auch immer.

Aber wenn das stimmt und zu viel Gras im Staat angebaut wird – wohin geht dann das kalifornische Cannabis?

Niemand außer den staatlichen Aufsichtsbehörden und den Strafverfolgungsbehörden (und denjenigen, die das Zeug transportieren) kann das mit Sicherheit sagen, aber die gängige Meinung ist, dass es entweder inoffiziell innerhalb der Staatsgrenzen für die Hälfte des Preises von stark besteuertem legalem Cannabis verkauft wird – oder dass es in New York, Florida und anderen Staaten auftaucht, in denen kalifornisches Cannabis einen höheren Preis erzielt.

„Der legale Markt ist immer noch nur ein Viertel so groß wie der illegale Cannabismarkt“, sagt Mark Ponticelli, der Gründer und Besitzer von People’s Remedy, einer Apotheke in Modesto, Kalifornien, im landwirtschaftlich geprägten Central Valley des Bundesstaates, wo das illegale Cannabis auf dem Untergrundmarkt sowohl billiger als auch besser ist.

„Der Schwarzmarkt existiert hier immer noch“, sagte er und merkte an, dass das in Gewächshäusern angebaute Cannabis, das in den riesigen Farmen produziert wird, die die kleinen Erzeuger umbringen, einfach nicht so gut ist. Es ist nicht richtig getrocknet. Die Nährstoffmischungen sind falsch. Es wird in großem Maßstab angebaut, und es ist einfach nicht so gut wie das Produkt der traditionellen Erzeuger.

Auf dem illegalen Markt „bekommt man auf der Straße jederzeit ein Pfund Weed für 2500 bis 3000 Dollar“, sagte er. „Und dann kann man es drüben in Florida für 4.000, 5.000 Dollar auf der Straße verkaufen.“

Zu viel Cannabis. Das falsche Cannabis. Cannabis, das zu teuer ist. Und Cannabis, das nicht profitabel ist.

Es ist nicht nur einen Einzelfaktor, der zu dem Cannabis Überangebot und dieser Situation geführt hat. Da sind die gelockerte Vorschriften nach der Legalisierung, die einen massiven Anbau ermöglichten. Es gibt die Umweltqualitätsvorschriften, die große Produzenten begünstigen. Und es gibt auch die natürlichen Zyklen des Marktes, der zwischen zu viel und zu wenig schwanken kann, bevor er sich dann einpendelt, und im Gleichgewicht befindet.

Aber das ist in Kalifornien im Moment nicht der Fall. Und auf ein Ungleichgewicht folgt unweigerlich eine Korrektur. Und da der Staat mit COVID-19 und einer Abberufungswahl beschäftigt ist, scheint es, dass der Markt sich selbst überlassen bleibt, um herauszufinden, was mit all dem zusätzlichen Gras geschehen soll – und ob die Leute, die es anbauen, im Geschäft bleiben können.

Der Artikel „Cannabis Überangebot überschwemmt Kalifornien“ von Mark Ricketts ist am 2. September 2021 erschienen.