Haschisch

Haschisch

Haschisch hat viele Gesichter

Haschisch Produktion früher und Heute

Bevor der Anbau von Cannabis unter Kunstlicht in den 1990er Jahren Europa eroberte, gab es auf dem Schwarzmarkt fast ausschließlich Haschisch. Das kam meistens aus Marokko, manchmal auch aus Pakistan, Nepal oder Afghanistan – und war meist nur von durchschnittlicher Qualität.

Angesichts der Konkurrenz aus dem Indoor-Anbau und verbesserter Anbau- sowie Produktionstechniken in den Herkunftsländern hat sich die Qualität von importiertem Haschisch in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert.

Besonders die Cannabis-Bauern im marokkanischen Rif haben mit dem Saatgut Europäischer Samenbanken Erträge und Qualität steigern können. Heute wird viel weniger Haschisch geraucht als vor 25 Jahren, aber mit einem Marktanteil von circa 15 Prozent ist nach Deutschland geschmuggeltes Haschisch immer noch eine feste Größe innerhalb der hier verrauchten Cannabis-Produkte.

Haschisch
Der bekannte Eden Hashish Shop in Kathmandu der 1970er

Was ist Haschisch überhaupt?

Bei Haschisch handelt es sich um eine Mischung aus Pflanzenteilen und wirksamen Bestandteilen der Hanfpflanze. Je weniger Pflanzenteile es enthält, desto potenter ist das Haschisch. Seine wirksamen Bestandteile wie Cannabinoide und Terpene werden in den Trichomen (Harzdrüsen) der Cannabisblüten gebildet. Sobald die Pflanze reif ist, treten sie als Tropfen aus den Harzdrüsen.

Die Kunst des Haschisch-Machens besteht nun darin, diese Tropfen mithilfe verschiedener Techniken von den Harzdrüsen zu trennen. Bei der Produktion von Haschisch erfolgt dieser Trennvorgang rein mechanisch. Je weniger Pflanzenteile dabei in das Endprodukt gelangen, desto reiner und potenter ist es. Diese mechanische Separation wird durch die Anwendung verschiedener Techniken erreicht. Die wohl älteste dieser Techniken ist das

Reiben von Cannabisblüten

Hier werden die reifen Blütenstände der weiblichen Cannabispflanze einfach zwischen den Handflächen gerieben. Dabei erwärmen sich die Öle und Resinoide (Harze), werden flüssig und haften an den Handinnenflächen.

Sobald die Hände mit Harz bedeckt sind, wird die klebrige Masse abgeschabt und zu einer Kugel oder einer Wurst geformt. So erzeugtes Haschisch heißt Charras und kann aufgrund der zeitintensiven Produktionstechnik nur in kleinen Mengen produziert werden.

Deshalb wird Charras heutzutage nur noch in kleinen Chargen in Nepal und Nordindien produziert. Berichte über Menschen, die Lederhäute gewickelt durch ein Hanffeld flitzen, um sich danach Charras von der Pelle zu schaben, tauchen immer wieder auf, konnten bis heute aber nicht verifiziert werden.

Um Haschisch in größeren Mengen zu produzieren, muss man die

Cannabisblüten sieben
Haschisch
Marokkanischer Bauer beim schlagen der Pflanzen (3. Siebung)

Anders als oft behauptet wird Haschisch in Pakistan, Indien und Afghanistan traditionell sowohl gerieben als auch gesiebt. Bereits 1894 beschrieb ein Bericht der britischen „Drogenkommission für Indischen Hanf“ wie die Handelsware Haschisch traditionell im Himalaya hergestellt wird:

In dem Land 50 Meilen um die Hauptstadt (Anm.: Kathmandu) herum wurde die Droge gesammelt, indem die jungen blühenden Spitzen in situ (Watt) zwischen den Händen gerieben wurden. In Yarkand (heutiges China) werden […] die getrockneten Pflanzen über ein Tuch geschlagen, und das gräuliche Pulver, das darauf fällt, wird gesammelt und in Säcke verpackt, wo es durch einen Prozess, zu dem auch die Sonneneinstrahlung gehört, verklumpt.”

Ähnliche Berichte über das Sieben der Blütenstände erwähnt die Indische Hanfkommission aus allen Gegenden Nordindiens, Pakistans, Afghanistans und dem heutigen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang in China.

Haschisch
Marok Standart 3. Siebung

Der Blütenstaub wird dann mithilfe von ein paar Tropfen heißem Wasser geknetet, bis ein grünlich-brauner Klumpen entsteht. Der wird abwechselnd geknetet und wieder erhitzt, bis das zugefügte Wasser vollständig verdunstet ist. Jetzt ist das Haschisch extrem geschmeidig, außen glänzend schwarz und innen grün-braun. Diese Art Haschisch wird heute als „Pakistani“ oder „Schwarzer Afghane“ angeboten.

Am heftigsten wird allerdings in Marokko gesiebt. Die marokkanischen Rif-Bauern produzieren ungefähr 80% der weltweit gehandelten Haschischs. Und das, obwohl man hier bis in 1960er Jahre noch gar nicht mit der kommerziellen Haschisch-Produktion vertraut war.

Die Rif-Berber bauen zwar schon seit Jahrhunderten Cannabis an, das traditionell jedoch als „Kif“ konsumiert wird. Kif“ ist eine Mischung aus Cannabisblüten, Blättern sowie ein wenig Tabak und ist viel schwächer als Haschisch.

Als die Beatniks um Jack Kerouac als Vorläufer der Hippie-Generation in den 1950 und 1960er Jahren nach Marokko kamen, brachten sie auch das Wissen über die nahöstliche Haschisch-Herstellung mit ins Rif-Gebirge. Seitdem wird Cannabis dort, genau wie einst von der britischen Hanfkommission beschrieben, gesiebt.

Verantwortlich für diesen Wissenstransfer soll der Beatnik Bobby “Batmann” Jahrmarkt gewesen sein. Jahrmarkt war unter den Beatniks als Haschenthusiast bekannt, bis er 1972 durch einen tragischen Unfall in Kabul zu Tode kam.

Haschisch
Marok 2. Siebung

Anders als die Kollegen im Hindukusch und Himalaya verzichten die marokkanischen Bauern beim Pressen auf Wasser. In Marokko wird das Harz-Pflanzengemisch einfach mechanisch zu Platten gepresst. Je schlechter die Qualität ist, desto mehr Druck muss angewendet werden, um das Hasch in die gewünschte Form zu bringen.

Cannabisblüten Sieben“: So wird’s gemacht:

Dr Haschbauer von Welt braucht:

1 sehr fein gewebtes Baumwolltuch

1 Schüssel, über die das Tuch gespannt wird

1 Stück dicke, stabile Plastikfolie, mindestens doppelt so groß wie die Schüssel

2 Spanngurte, alte Fahrradschläuche o.Ä. zum Spannen des Tuchs und der Plane

2 dünne Holzstäbe (ideal: Drumsticks)

1 kalte Nacht im Rif-Gebirge oder

1 Gefriertruhe/Gefrierfach

Cannabisblüten oder auch Schnittreste (Trim) nach Bedarf

Zuerst spannt der Bauer das fein gewebte Tuch mit Hilfe des Spanngurtes über die Schüssel. Beim ersten Durchgang wird es manchmal doppelt gelegt, damit ein höherer Reinheitsgrad erzielt werden kann. Danach werden die gefrorenen Erntereste auf das gespannte Tuch gelegt und vorsichtig verteilt, so dass ein kleiner Haufen in der Mitte entsteht.

Haschisch
Marokko 2 +3 Siebung

Über das Pflanzenmaterial wird dann mithilfe eines Spanngurts oder eines alten Fahrradschlauchs die stabile Plastikfolie oder ein Stück LKW-Plane gespannt. Die verwendete Folie muss auf der den Pflanzen zugewandten Seite absolut sauber sein.

Jetzt wird mithilfe der Holzstäbe vorsichtig „getrommelt“. Für die beste Qualität klopft man nur eine halbe Minute ganz locker auf die Konstruktion. Nach dieser ersten Siebung wird das noch pudrige Harz heraus geholt und kann auf verschiedene Arten gepresst werden.

Wird das Ausgangsmaterial noch einmal auf die gleiche Art und Weise behandelt, spricht man von der zweiten Siebung. In Marokko werden Cannabispflanzen so bis zu fünf mal ausgesiebt, wobei bei jedem Vorgang länger und fester geschlagen wird.

Je intensiver gesiebt wird, desto mehr Pflanzenanteil enthält das Haschisch. Bei der vierten und fünften Siebung handelt es sich dann um wenig potentes Hasch, das ausschließlich zum Export produziert wird und hierzulande als Standard- oder Europlatte bekannt ist.

Die nullte Siebung bleibt im Land

Amsterdamer Coffeeshops haben oft „Zero“ oder gar „ZeroZero“ im Angebot. Das soll marokkanisches Haschisch der nullten Siebung sein – ist es aber nicht. Denn die nullte Siebung besteht, wie der Name schon sagt, aus Kristallen, die nicht abgesiebt werden. Zero-Haschisch wird ohne Kraftaufwand von der Pflanze geschüttelt.

Dazu nimmt der Bauer ein Bündel getrockneter Cannabispflanzen und schlägt diese sanft ein- oder zweimal auf den Rand der Schüssel. Die Kristalle, die dabei abfallen, sind die nullte Siebung. Doch die Ausbeute ist so gering, dass sich der Export nicht lohnen würde – zudem sind die Bauern meist keine Kostverächter und behalten natürlich das Beste für sich.

Heimisches Haschisch: Kief und Eishasch

Neben der klassischen Haschproduktion haben sich im Zuge der Indoor-Kultur auch klassische Industrienationen zu Haschischproduzenten gemausert. Nicht nur in Spanien, den Niederlanden, einigen US-Bundesstaaten und in Kanada wird Haschisch aus hoch potentem Out- sowie Indoor-Cannabis produziert.

Hierbei werden zwei grundlegend verschiedene Techniken angewendet:

Haschisch
sehr gute Qualität, homogene Masse aus Trichomen

So genanntes Kief wird wie zuvor beschrieben ausgesiebt. Allerdings haben findige Produzenten mittlerweile Rüttelmaschinen entwickelt, die die Blüten auf mehreren Ebenen aussieben. Die verwendeten Siebe haben industriellen Standard und so erreicht das „Kief“ genannte Haschisch Wirkstoffgehalte von bis zu 90%. Zum Vergleich: Wirklich sehr gutes Haschisch aus Marokko oder Afghanistan hat einen Wirkstoffgehalt von 30-50% THC.

Die zweite Methode, die Indoor-Grower oft nutzen, um Haschisch zu produzieren, ist die so genannte Schwimm-Sink-Trennung, deren Endprodukt

Eishasch

genannt wird. Hierbei werden die Harztropfen mechanisch mit Eiswasser von der Pflanze gewaschen, aufgefangen und getrocknet. Für ein optimales Ergebnis muss das verwendete Material flexibel und am besten vier Grad Celsius kalt sein.

Das erreicht man durch ein 60 minütiges Einweichen des Pflanzenmaterials in Eiswasser. Danach wird das Gemisch mit einem Mixer 30-90 Minuten gerührt, wodurch sich die Harztropfen von den Trichomen lösen und auch im Wasser schwimmen.

Um die Harzkristalle jetzt wieder vom Wasser zu trennen, werden zwei verschieden Techniken angewendet:

  • Bei der Siebbeutel-Technik wird das Gemisch jetzt einfach durch drei bis sieben Beutel mit feinsten Maschen (Maschengröße zwischen 40µ und 160µ) gesiebt. In den Beuteln bleiben dann nur die kleinsten Teile, also Harztröpfchen und kleinste Pflanzenteile hängen, die dann getrocknet und zu Hasch gepresst werden.
  • Bei der sieblosen Methode, die in China in vereinfachter Form schon seit 5000 Jahren bekannt ist, nutzt der Haschbauer die spezifische Dichte von THC, das schwerer ist als Wasser und sich deshalb am Boden eines Gefäßes absetzt, während das Pflanzenmaterial oben schwimmt.

    Um Eishasch ohne Siebe zu produzieren, lässt man das wie zuvor beschrieben gerührte Gemisch ruhen, bis die Harze unten und die Pflanzenteile oben schwimmen. Dann schöpft man die oben schwimmenden Pflanzenresten sehr vorsichtig ab, wartet ein paar Minuten und wiederholt den Vorgang. Hierbei sollen möglichst wenig Verwirbelungen entstehen.

    Nach einer Weile sind die Pflanzenreste abgeschöpft und im Eimer schwimmen jetzt Haschisch-Kristalle und Wasser. Das Gemisch wird dann durch einen Kaffeefilter abgegossen, auf diesem ausgebreitet, drei Tage getrocknet und anschließend zu Haschisch gepresst oder gerollt.

Mit oder ohne Siebe?

Ich halte die traditionelle Methode der Sink-Schwimm Trennung für effektiver, da ein nachträgliches Durchsieben meiner Meinung nach kontraproduktiv ist:

Wie bei Obst und Gemüse ist die Größe der Cannabis-Früchte nicht ausschlaggebend für den Reifegrad und Potenz einzelner Trichome. Nicht die Größe, sondern der Reifegrad entscheidet über die Qualität jedes einzelnen Harztröpfchens. Je reifer dieser ist, desto leichter löst er sich vom Trichom, ohne dass Pflanzenmaterial an ihm haften bleibt.

Der Reifegrad der Trichome, nicht ihre Größe, entscheidet also schlussendlich auch darüber, wie viel Kraft vonnöten ist, um den Harztropfen mithilfe eines Mixers von der Pflanze zu schütteln.

Ganz zu Anfang des Prozesses lösen sich die reifsten Harztropfen ohne Pflanzenanteil und trudeln zu Boden. Darunter sind, wie bei Obstbäumen, Harztropfen verschiedenster Größen (Durchmesser).

Spezial-Siebe, die das Material nach dem Durchmesser trennen, widersprechen dem auf unterschiedlicher Dichte beruhenden Trennungsprozess. Siebtechnik und Schwimm-Sink Trennung sind zwei verschiedene Paar Schuhe und sollten in meinen Augen nicht kombiniert werden!

Eine noch einfachere Methode, das Beste aus der Lieblingsblüte zu holen, ist die Herstellung von

Rosin Hash

Eigentlich verwirrt der Name, denn streng genommen handelt es sich hier nicht um Haschisch, da die Harztropfen nicht separiert und gesammelt, sondern platzen, um dann aus der Blüte gepresst zu werden. Rosin Hash ein zähflüssiges Konzentrat, das unter Zuhilfenahme von Druck und Wärme aus Cannabis-Blüten oder wenig potentem Hasch gepresst wird.

Das hochreine Konzentrat wird mithilfe professioneller Pressen hergestellt. Die kosten zwischen 400 und mehreren tausend Euro. Mit einer solchen Presse holt man 80-90% der Wirkstoffe aus einer Grasblüte heraus.

Rosin Hash kann aber auch mithilfe eines einfachen Glätteisens gewonnen werden. Bei der manuellen Herstellung liegt die Ausbeute, so man es denn richtig macht, zwischen 50 und 70% des Wirkstoffgehalts vom Ausgangsmaterial. Neben einem handelsüblichen Glätteisen mit Temperaturkontrolle braucht man:

– einen Bogen Back- oder Pergamentpapier

– ein Stück ungebleichten Kaffeefilter

– potentes Weed (unzerkleinert) oder Hasch.

So geht’s:

Das Glätteisen auf 140 Grad vorheizen. Höhere Temperaturen ab 157 Grad zerstören das THC. Je niedriger die Temperatur gewählt wird, desto aromatischer wird das Endprodukt. Allerdings steigt die Ausbeute mit zunehmender Temperatur.

– Das Gras wird in einen Kaffeefilter (optional Rosin Bag) gelegt, der sorgfältig zusammengefaltet wird.

– Das Paket wird mittig in ein Stück 10x10cm) Backpapier, das einmal gefaltet wurde, platziert.

– Jetzt wird es im vorgeheizten Glätteisen zwischen 30 und 60 Sekunden fest gepresst.

Sobald es zischt, wird das Glätteisen geöffnet und das kleine Paket kommt ein paar Minuten in den Kühlschrank. Danach lässt sich das Resultat einfach vom Papier abschaben. Da es sich um ein Extrakt handelt, sollte es in einem Silkon- oder Edelstahlbehälter gelagert werden. Zipper-Bags eignen sich nicht zur Aufbewahrung von Extrakten wie Rosin Hash!

In seinem gerade erschienen Buch “Cannabis-Extraktion” beschreibt Michael Knodt noch mehr Varianten der Haschisch- und Extrakt-Produktion sowie zahlreiche, andere Techniken zur Veredelung von Cannabis.

Aufgepasst! Der Anbau von Hanf oder auch nur die Aufforderung zum Anbau oder der Herstellung von Haschisch sind eine Straftat, weshalb wir Euch dringend warnen müssen, hier beschriebene Techniken zur Haschisch-Herstellung selbst auszuprobieren. Nur anschauen, nicht nachmachen – es sei denn Ihr wohnt in einem Land wie Kanada, in dem Grasanbau und Haschisch legal sind.

Der Artikel „Haschisch“ Grundwissen von Michael Knodt ist am 9. November 2020 erschienen

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