Curaleaf kauft sich in Europa ein

Curaleaf kauft sich in Europa ein

Während sich die Kanadier aus Europa zurückziehen, kauft Curaleaf sich in Europa ein


Während sich kanadische Cannabisunternehmen, wie gerade bei Canopy Growth geschehen, aus Europa zurück ziehen, ist Curaleaf Gründer und Executive Chairman Boris Jordan glücklich, sich in Europa engagieren zu können.

Boris Jordan, der Chef von Curaleaf, des größten Cannabisunternehmens in den USA, kündigte vor 5 Tagen in einem Interview den ersten internationalen Vorstoß des Unternehmens mit der Übernahme des europäischen Cannabisvertreibers EMMAC Life Sciences für 285 Millionen US-Dollar an. Das ist ein klarer Schuss vor den Bug der kanadischen Konkurrenten, die aufgrund von Überkapazitäten in Kanada, sich aus Europa zurück ziehen.

Obwohl der europäische Markt noch in den Kinderschuhen steckt, birgt er ein erhebliches Potenzial für große Cannabisfirmen, die neue Wachstumsbereiche ins Auge fassen. Prohibition Partners sieht den Markt bis 2024 auf etwa 2,5 Milliarden US-Dollar anwachsen, ausgehend von mageren 300 Millionen US-Dollar im letzten Jahr, wobei der Freizeitverkauf bisher nur 10 Prozent ausmacht.

Curaleaf
Curaleaf Indoor Anbau

Aber Jordan glaubt, dass der europäische Markt in ein paar Jahren so groß sein könnte wie der US-amerikanische, weshalb er auf den richtigen Zeitpunkt gewartet hat, bevor er in einen der führenden Akteure im Bereich medizinisches Cannabis investiert hat.

„Das ist keine Kritik an kanadischen Unternehmen. Ich weiß, dass sie daran gehindert wurden, in die USA zu investieren, und so suchten sie nach einer Möglichkeit, aus Kanada heraus zu gehen, um zu wachsen“, sagte Jordan in einem Telefoninterview. „Also gingen sie nach Europa, weil Europa Hoffnung auf eine Legalisierung von Cannabis machte. Aber das Timing ist unglaublich wichtig und ich denke, sie waren zu früh dran.“

Curaleaf ist der größte Marihuana-Anbieter in den USA

Als in den letzten Jahren das große Geld in den kanadischen Cannabisbereich strömte, gaben Unternehmen wie Canopy Growth Corp. und Aurora Cannabis Inc. Millionen aus, um Büros und Produktionsanlagen in ganz Europa zu errichten. Aber der europäischen Gesetzgeber haben es versäumt, schnell neue Gesetze zu verabschieden, und der Optimismus, dass der Markt abheben würde, verblasste. Was dazu führte, dass kanadische Betreiber ihre europäischen Geschäfte schließen oder verkleinern mussten, einschließlich der Ankündigung von Canopy Anfang dieser Woche, dass es plant, seine dänische Anlage zu schließen.

Die meisten Unternehmen, darunter Tilray Inc., Flowr Corp. und jetzt Curaleaf, sind nach Portugal gegangen, das optimale Temperaturen für den Anbau von Cannabis im Freien hat und eine Regierung, die ein freundliches medizinisches Cannabisprogramm eingerichtet hat.

Curaleaf
Curaleaf Dispensary

„Es ist das beste landwirtschaftliche Klima für Cannabis und man kann es billig anbauen“, sagte Jordan. „Ich verstehe nicht, warum Aurora und Canopy und all diese Firmen diese immens teuren Gewächshäuser und Indoor-Anlagen in Nordeuropa gebaut haben. Es verwirrt mich ein wenig, aber es ist, was es ist.“

Curaleaf sieht weiterhin Chancen in Europa für legales Marihuana

Jordan sagte, dass sich sein Team die EMMAC-Anlage etwa ein Jahr lang angeschaut hat, bevor es den Deal zum Erwerb der Anlage abschloss. Er merkte an, dass er nicht erwartet, dass das Unternehmen vor 2023 nennenswerte Umsätze liefern wird, und ist froh, fünf Jahre zu warten, bis der europäische Markt besser etabliert ist.

Curaleaf

„Wir haben uns gefragt: ‚Woher soll das Wachstum kommen, wenn die US-Märkte erst einmal stärker erschloßen sind?‘ Die Wachstumsraten werden von dreistelligen auf zweistellige Werte sinken, was immer noch sehr gut ist, aber trotzdem wollte ich sehen, wo die nächste Grenze für Wachstum ist“, sagte Jordan.

„Im Grunde habe ich die Größe meines potenziellen Marktes für weniger als zwei Prozent meiner Marktkapitalisierung verdoppelt. Ich weiß nicht, in welcher Branche auf der Welt man das machen kann.“

Curaleaf ist (Stand März 2021) in 23 US-Staaten aktiv. Sie verfügen über 101 eigene Verkaufsstellen (Dispensaries), 22 eigene Anbaubetriebe sowie 30 Verarbeitungsbetriebe, und versorgen bis zu 350.000 Patienten mit Marijuana als Medizin.

Der Artikel „Curaleaf kauft sich in Europa ein“ wurde am 15. März 2021 veröffentlicht. Das Interview wurde von CNBS auf englisch geführt, und am 10. März veröffentlicht.

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Bilder: Tampe Media, Curaleaf,