Wir Kinder vom Bongzimmer – Wie Kiffer wirklich sind

Wir Kinder vom Bongzimmer – Wie Kiffer wirklich sind

Marie Berger, die Autorin von „Wir Kinder vom Bongzimmer“ im Interview

Im letzten Jahr ist im Verlag BoD das neue Buch „Wir Kinder vom Bongzimmer“ von Marie Berger, zum Thema Cannabis / Cannabis Konsum erschienen. Die Autorin schreibt unter dem Pseudonym Marie Berger, da man als Cannabiskonsument in Deutschland leider immer noch Repressionen und Strafen fürchten muss. Marie Berger lebt heute in einem Land das den Cannabis Konsum von Erwachsenen Menschen erlaubt und auch den Eigenanbau von ein paar Pflanzen toleriert.

Wir hatten die Gelegenheit uns mit der Autorin von „Wir Kinder vom Bongzimmer“ auf ein Interview zu verabreden und Ihr ein paar Fragen zum Buch zu stellen. Wer sich für das Buch interessiert, kann es im Buchhandel und Internet bestellen.

HS: Marie, für dein Buch hast du viele Interviews geführt. Wie fühlt es sich an, jetzt auf der anderen Seite zu stehen und selbst Fragen zu beantworten?

M. B.: Ich hatte das Glück gute Bekannte und Freunde zu interviewen. Durch unsere Vertrautheit war das Eis bei den meisten Interviews schnell gebrochen und die Unterhaltungen fühlten sich an wie intensive, tiefgründige Gespräche zwischen alten Freunden. Ich selbst bin eher introvertiert, deshalb fällt es mir grundsätzlich leichter, fremden Menschen Fragen zu stellen, als sie selbst zu beantworten.

Wir Kinder vom Bongzimmer
Wir Kinder vom Bongzimmer – Marie Berger ist dankbar für ihre Freiheit. In ihrer aktuellen Heimat ist der Konsum von Cannabis und der Eigenanbau von bis zu fünf Pflanzen erlaubt.

HS: Schon der Titel verrät, dass es sich bei deinem Buch nicht um die klassische Kiffer-Literatur handelt. Es gibt weder Anleitungen zum Konsum von Hanf, noch wird der Gebrauch romantisiert oder verteufelt. Was war dein persönlicher Antrieb das Buch zu schreiben?

M. B.: In einem Wort? – Authentizität. Die Gesellschaft braucht mehr echte, wirkliche Eindrücke von Langzeit-Konsumenten.

Das erste Buch, das ich je zum Thema Drogen gelesen habe, ist: „Wir Kinder vom Bahnhofzoo“, von Christiane F. Dieses Buch und die darin beschriebene Lebensgeschichte der Autorin war für Generationen von Jugendlichen ein abschreckendes Beispiel. Und so mutig und richtig es war, dass Christiane F. ihre Geschichte erzählt hat, so wichtig ist es, dass nun auch andere Menschen zu Wort kommen. Damals und heute wird von Werbe- und Drogenbeauftragten gerne ein Slogan genutzt: Vom Joint zur Nadel. Dabei erzählt Christiane F. so viel mehr als das. Und auch meine Interviewpartner*innen haben mehr zu sagen.

Alle Beteiligten konsumieren Cannabis, mehr oder weniger häufig, seit etwa 15 Jahren und hatten schon lange das Bedürfnis, über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Konsum zu sprechen. Mit dem Buch wollte ich einen Raum schaffen, in dem alle sozialen Komponenten und individuellen Erkenntnisse der Konsumenten einen Platz finden. Vom ersten Kontakt mit Gras/Hasch in der Jugend, bis zum Erwachsenenalter. Ein weiterer Grund, das Buch nicht nur zu schreiben, sondern es auch zu veröffentlichen: Ich wünsche mir, dass die öffentliche Meinungsbildung zu Cannabis mit weniger politischen Unwahrheiten vorangetrieben wird. Die Gesellschaft braucht mehr authentische Aufklärung.

Wir Kinder vom Bongzimmer: Ein Buch für Lehrer, Pädagogen, Eltern und Alle die mehr wissen wollen als nur die Klischees

Wir Kinder vom Bongzimmer
Wir Kinder vom Bongzimmer – Stolz präsentiert Marie ihre erste Gras-Ernte des Jahres.

HS: Du sprichst von Authentizität, schreibst aber selbst unter Pseudonym. Auch deine Interviewpartner*innen sind anonym. Warum ist das so?

M. B.: Die Interviews in „Wir Kinder vom Bongzimmer“ wurden alle unter der Voraussetzung von Anonymität geführt. Die Lebensgeschichten sind sehr persönlich und wenn man z. B. auflistet, welche illegalen Drogen man in seinem Leben schon konsumiert hat – und die Listen sind teilweise lang – dann will man nicht unbedingt, dass der Arbeitgeber oder die Oma davon erfährt. Damit alle Personen ehrlich und frei berichten konnten, war und ist die Anonymität wichtig. Um die Voraussetzung für ehrliche Aussagen zu schaffen, wurden im Buch sämtliche Namen geändert. Geschlecht, Alter und sozialer Kontext wurden aber beibehalten. Dasselbe gilt für mich. Sobald meine Identität öffentlich wäre, könnte ich als Autorin die Anonymität der Interviewten nicht mehr gewährleisten.

HS: Einige der interviewten Personen berichten, dass ihr Sozialverhalten durch die Diskriminierung, die sie in der Gesellschaft erfahren haben, langfristig negativ beeinflusst wurde. Geht es dir auch so?

M. B.: Definitiv, in mehreren Punkten. Ich habe oft das Gefühl, Menschen von meiner Leistungsfähigkeit überzeugen zu müssen. Ich versuche oft gegen das schlechte Image des ‚faulen Kiffers‘ anzukommen. Aber es ist unmöglich, im Alleingang die Gesellschaft umkrempeln zu wollen. Und das ist es, was man versucht, wenn man als Einzelkämpfer Stigmata attackiert – ein Kampf gegen Windmühlen. Um allein zu kämpfen, gibt es viel zu viele von Diskriminierung betroffene Menschen, die mittlerweile bereit dazu sind aufzustehen und zu sagen: „Ich konsumiere Cannabis und führe ein normales Leben. Ich fordere Toleranz!“

Wir Kinder vom Bongzimmer
Wir Kinder vom Bongzimmer – ein etwas anders Buch über Cannabis und seine Konsumenten

Diskriminierung ist nur deshalb so stark, weil sie von der breiten Öffentlichkeit ausgeht. Es ist deshalb wichtig, auf allen Ebenen Aufklärung zu leisten. In Schulen, medial und politisch. Um das zu erreichen, müssen echte Menschen ein Medium erhalten, um ihre realen Erfahrungen zu kommunizieren. Das ist wesentlich zielführender als die ewig konservative Drogenpolitik von Vorgestern. Von lebensnaher Aufklärung profitieren nicht nur von Stigmatisierung geplagte Kiffer*innen, sondern auch zukünftige Generationen, die als selbstbestimmte Individuen aufwachsen sollen.

Marie Berger wurde 1988 in Bayern geboren und wuchs in einer Ortschaft auf, die per definitionem gerade noch als Kleinstadt bezeichnet werden darf. Sie studierte Erziehungswissenschaft und Philosophie und veröffentlichte unter anderem Pseudonym bereits mehrere Bücher. Seit 2015 pendelt sie zwischen Deutschland und dem Ausland. Die Legalität von Cannabis und die damit verbundene gesellschaftliche Akzeptanz des Konsums in anderen Ländern ermöglichte ihr einen völlig neuen Blickwinkel auf eigene (in Deutschland) gesammelte Erfahrungen.

Wir empfehlen das Buch „Wir Kinder vom Bongzimmer“ allen Eltern, Lehrern, Pädagogen uns Menschen die mit Jugendlichen arbeiten, damit Sie einen besseren und breiteren Blickwinkel für die „Drogenproblematik“ entwickeln können, und Zusammenhänge und Ihre Kinder besser verstehen.

Der Artikel „Wir Kinder vom Bongzimmer“ – ein Interview ist am 21. April 2021erschienen.

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