Buchvorstellung: Die Cannabis GmbH von Rainer Schmidt

Buchvorstellung: Die Cannabis GmbH von Rainer Schmidt

Der Autor Rainer Schmidt hat mit seinem jüngsten Buch „Die Cannabis GmbH“ viel Aufmerksamkeit bekommen – sowohl in der Cannabis-Szene als auch außerhalb. Angelehnt an die hanfseite.de-Interview-Reihe haben wir mit Rainer Schmidt ein Mini-Interview geführt.
Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin heute freier Journalist (mit einem Schwerpunkt auf Magazinjournalismus und Magazin-Entwicklung) und Schriftsteller. Zuletzt war ich Chefredakteur des Rolling Stone, davor gab es diverse Stationen von BBC World Service über Spiegel bis hin zu Vanity Fair.
Im Oktober habe ich nach 1 1/2 Jahren Recherche meinen neuen Roman veröffentlicht – „Die Cannabis GmbH“. Darin geht es um einen kleinen Kiffer aus dem Ruhrgebiet, der durch Zufälle auf der Suche nach dem besten und reinsten Gras der Welt zu einem der führenden Öko- Grasanbauern des Nordens mit einer illegalen Plantage und 1500 Pflanzen wird. Leider findet das sein kokainabhängiger Bruder blöd, leider findet das die Konkurrenz aus dem Karoviertel in Hamburg auch blöd. und die reiche Elbchaussee-Verwandtschaft seiner Frau darf nichts merken. Ein anstrengendes Leben, aus dem er irgendwann fliehen will. Aber dann öffnet der dumpfe Bauer von nebenan leider die falsche Tür… Zu der Figur habe ich mich durch einen echten Menschen und einen echten Fall inspirieren lassen. Der echte „Dude“ sitzt leider gerade im Knast.

Wir beobachten heute eine große und immer größer werdende Zahl an Personen aus allen denkbaren Bereichen, die sich öffentlich für eine Entkriminalisierung oder Legalisierung von Cannabis einsetzen. Wie lautet Ihre persönliche Meinung hierzu?
Im Moment gibt es einen völlig unkontrollierten und unkontrollierbaren Schwarzmarkt ohne Verbraucher- oder Jugendschutz. Das kann niemand wollen, das will auch niemand. Diese unmögliche Situation, die ab und zu an Orten wie dem Görlitzer Park in Berlin eskaliert, ist ein direktes Resultat der aktuellen Prohibitionspolitik. Diese Politik erreicht keines ihrer Ziele, kriminalisiert jedes Jahr Zehntausende und ist eine riesige Geldverschwendung. Die Antwort kann nur ein staatlich regulierter Markt nach dem Vorbild amerikanische Bundesstaaten wie Colorado oder Washington State sein. Das wird aber noch ein bisschen dauern, die ideologischen Hürden sind zu hoch. Aber auch aus der bürgerlichen Mitte gibt es immer mehr Stimmen  – Strafrechtler, Richter, Polizisten – die eine Umkehr fordern. Gut so.
Wer andererseits leugnet, dass Cannabis für sehr junge Menschen schädlich sein kann, ist für mich genau so ein Ideologe und Spinner wie die Prohibitions-Hardliner.

Autor-Rainer-SchmidtIn Ihrem Interview auf D-Radio haben Sie angegeben, dass Sie kein Cannabis konsumieren. Nun haben Sie – gewissermaßen als Außenstehender – sich im Zuge der Arbeit an Ihrem Buch über längere Zeit mit der derzeitigen Gesetzeslage rund um Cannabis beschäftigt. Haben Sie das Gefühl, dass sich an der derzeitigen Rechtslage in Deutschland in Zukunft etwas ändern könnte? Und wenn ja, wie könnte eine solche Veränderung (auf Bundesebene) vollzogen werden?
Zum Thema Außenstehender: Lustigerweise glaube ich, dass man Menschen, die nicht Partei sind, also nicht selber für ihr eigenes Recht aufs Kiffen kämpfen, von der Öffentlichkeit immer  ernster genommen und nicht gleich abgelehnt werden, was der Diskussion sehr hilft. Siehe auch, ohne mich vergleichen zu wollen: Ströbele. Generell: Ich glaube, zuerst wird der Kampf um den Medizinalhanf verstärkt werden. Hier muss und wird es die ersten Lockerungen geben. Dann müssen die „Eigenbedarfsgrenzen“ dringend vereinheitlicht werden. Große Hoffnung lege ich auf die beiden Modellprojekte, die in Berlin und Frankfurt angestrebt werden. Auch die vielen Eigeninitiativen zur Einrichtung lokaler Cannabis Social Club machen Mut.
Vielen Dank für dieses Interview! Möchten Sie sonst noch etwas loswerden? Haben Sie eine Webseite oder dergleichen?
Es gibt eine Facebook-Seite zum Buch „Die Cannabis GmbH“ und meine private Webseite.