Tony’s Weed – Teil 1

Tony’s Weed – Teil 1

Tony’s Weed – eine Kurzgeschichte von Mr. Haze Amaze

Ihr alle kennt Mr. Haze Amaze, seit vielen Jahren schreibt Mr. Haze Amaze für diverse Cannabis-Magazine und für die Hanfseite Beiträge zum Thema Growing und auch zum Thema Extrakte und Dabbing. Mr. Haze Amaze ist bekannt für seinen kompetenten Input, und beliebt als Juror bei Dabbing-Events, wie dem Dab-A-Doo 2021 in Amsterdam.

Mr. Haze Amaze ist aber nicht nur Autor von Grow & Dabbing Artikeln, er schreibt auch Kurzgeschichten, und arbeitet gerade an einer Kurzgeschichten Sammlung, mit Ihm selbst als Hauptcharakter.

Wir sind sehr stolz, Euch seine erste Kurzgeschicht „Tony’s Weed“ hier auf der Hanfseite in 3 Teilen vorstellen zu können. Bisher wurde die Geschichte nur als Podcast veröffentlicht, als Hörbuch sozusagen! In den nächsten 2 Wochen werden wir je einen der 3 Teile hier für Euch online stellen.

Vorwort zu Tony’s Weed

Über ein Jahr ist es jetzt her, dass meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht wurde. “Tonys Weed”, eine rund 20 DIN-A4-Seiten lange Story über den Cannabis-Patienten und alleinerziehenden Vater Tony.

Tony's Weed by Mr. Haze Amaze 2-
Das breite Grinsen und die roten Augen – Mr. Haze Amaze

Tonys Weed ist eine Geschichte über die Schwierigkeiten im Alltag eines Cannabiskonsumenten, gespickt mit Humor und einigen Sticheleien gegen die Lage von Cannabis in Deutschland. Auch wenn Tonys Weed noch vor der “großen Ankündigung” der hoffentlich anstehenden Legalisierung geschrieben und veröffentlicht wurde, passt sie auch heute noch perfekt zur derzeitigen Situation

Die Idee kam mir damals, als ich selbst vor zwei Jahren Cannabis-Patient wurde: egal, wo ich es zur Sprache brachte oder auch nur anklingen ließ, spürte man eine gewisse Distanzierung. “Was? Der raucht wirklich Cannabis? Aber das macht doch dumm.” Man kann es vielen Menschen schon von den Augen ablesen – Verständnis gegenüber Cannabistherapien ist nach wie vor eher selten anzutreffen. Und genau an diesem Punkt wollte ich ansetzen….

Produziert wurde das ganze mit einem alten Freund und angehenden Schriftsteller Jonas Höpfner, und mit Wheresmyweed Ent. Ich hatte wirklich Glück zwei so tolle Partner für die Realisierung des Projektes zu finden. Ein großes Dankeschön daher auch noch mal an Jonas, für die textliche Unterstützung und an Wheresmyweed für die Aufnahme und Fertigstellung des Hörbuches.

Tony’s Weed – Kapitel 1 – Der Neustart

Vom kreischenden Klingeln seines Weckers aus seiner Traumwelt gerissen öffnete Tony langsam seine Augen. Verschlafen tastete er nach seinem Handy und tippte so lange darauf herum, bis das schrille Geräusch endlich verstummte. Maulend drehte er sich auf den Bauch, zog sich die Decke über den Kopf und schnaubte. Dann rollte er sich über die Kante des Bettes und kam zum Stehen, denn er wusste, dass er aufstehen musste.

Tony's Weed by Mr. Haze Amaze Growbox
Tony’s Weed – eine Kurzgeschichte von Mr. Haze Amaze

Mit Schlaf in den Augen wankte er gemächlich in Richtung des Badezimmers. Dort wusch er sich sein Gesicht und fuhr sich durch die Haare. Eine Weile betrachtete er sich im Spiegel. Sein Gesicht war mittlerweile faltiger und seine Augenringe von den vergangenen Jahren immer tiefer geworden. “Keep smiling” stand auf einem kleinen gelben Post-it geschrieben, das an einer Seite des Spiegels angeheftet war. Etwas gezwungen zog er seine Mundwinkel nach oben und verließ das Zimmer wieder.

Mit leisen Schritten ging er an Marys Zimmer vorbei zu seinem Arbeitszimmer. Dort angekommen steckte er einen Schlüssel ins Schloss, den er zuvor vom oberen Balken des Türrahmens genommen hatte. Vorsichtig schloss er die Tür auf und verschwand schnell im Zimmer. Es war erfüllt von einem dumpfen violetten Licht, das aus einem großen weißen Schrank heraus strahlte. Tony öffnete die Türen des Schrankes und ein süßlich-würziger Geruch stieg ihm in die Nase.

Behutsam strich er über die darin stehenden giftgrünen Pflanzen und betrachtete die einzelnen Blätter. “Mmh, die unteren werden schon langsam gelb und welk. Die sollten bald reif sein.” Zufrieden warf er noch einen letzten Blick auf die mit glitzernden Blüten behangenen Pflanzen und schloss die Tür wieder. Er schaute auf die Uhr an seiner Wand, welche ein großes Hanfblatt zierte und nickte – er war noch voll im Zeitplan.

Nachdem er sein Zimmer verlassen hatte, ging er in die Küche und schaltete wie jeden Morgen die Kaffeemaschine und seinen Vaporizer an. Er freute sich schon auf den kräftig-würzigen Geschmack seines brasilianischen Kaffees gepaart mit dem süßlichen Aroma des Pineapple-Express-Strains, den er noch übrig hatte.

Tony's Weed by Mr. Haze Amaze 1- Frühstück mit Vaporizer
Tony’s Weed by Mr. Haze Amaze – Frühstück mit Vaporizer

Tony öffnete einen Hängeschrank, holte zwei Kaffeetassen heraus und platzierte sie auf der Küchenzeile. Dann wandte er sich wieder der Kaffeemaschine zu, zog den Krug aus der Verankerung und goss die kochende schwarz-braune Flüssigkeit in eine der Tassen. Gerade als er ansetzen wollte, den Kaffee auch in die zweite Tasse zu füllen, hielt er inne.

“Hmm… Stimmt ja…”, seufzte er und stellte die leere Tasse zurück in den Schrank. Seine Miene verfinsterte sich und er schaute wehmütig aus dem Fenster.

Das Brummen seines Vaporizers riss ihn wieder aus seinen dunklen Gedanken. Tony nahm das kleine schwarze Gerät in die Hand und nahm einen tiefen Zug aus dem Mundstück. Er öffnete ein Fenster und blies den Rauch nach draußen. Die kleine weiße Wolke sammelte sich kurz vor der Glasscheibe, bis sie in alle Windrichtungen verstreut an den grauen Betonwänden der benachbarten Häuserblöcke vorbeizog.

Ein paar Züge später wirkte die triste und leblose Wohngegend schon nicht mehr ganz so deprimierend, wie sie es sonst war. Ein sanftmütiges Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit, als er die Kaffeetasse anhob und der kräftige würzige Geruch in seine Nase stieg. Sein Lächeln wurde noch etwas größer als er wieder aus dem Fenster entgegen der gerade aufgehenden Sonne blickte und die Strahlen seine Haut erwärmten.

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze - Teil 1 Grinder
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze

Tony vernahm ein leises Tapsen und drehte sich herum. “Papa?” Im Türrahmen der Küche stand ein kleines blondes Mädchen und schleifte einen Teddybären hinter sich über den Boden. Sie trug einen rosafarbenen Pyjama mit weißem Blümchenmuster und rieb sich verschlafen die Augen.

“Na schau mal einer an. Kaum geht die Sonne hinter den Häusern auf, zeigt sich auch mein kleiner Sonnenschein.” Tony stellte die Kaffeetasse zurück auf die Theke und schaltete seinen Vaporizer aus. Mit ausgestreckten Armen watschelte das kleine Mädchen auf Tony zu. Er nahm sie hoch und drückte sie fest an sich. “Hast du gut geschlafen, meine kleine Prinzessin?” Das kleine Mädchen nickte eifrig und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, dann rümpfte sie die Nase und kicherte.

Tony nahm einen Zipfel seines T-Shirts und roch daran, danach schnappte er sich eine Strähne seines Haares und tat das Gleiche. “Mmh du hast wohl recht, meine Kleine. Daddy riecht wieder ein bisschen komisch. Na komm, wir machen dir jetzt trotzdem erst mal dein Frühstück.” Sein zuvor sanftes Lächeln war nun zu einem breiten Grinsen geworden, als das kleine Mädchen fröhlich auf und ab hüpfte.

Nachdem die beiden das Frühstück beendet hatten, schickte Tony Mary ins Badezimmer, um sich fertig zu machen, er wollte sie heute bei seinen Eltern absetzen. Er selbst räumte den Tisch ab und begann das Geschirr zu spülen, während er hin und wieder ein Zug von seinem Vaporizer nahm. Plötzlich vibrierte sein Handy und eine Pop-Up-Nachricht tauchte auf: “Vorstellungsgespräch bei ‘Blackwater’” Tony klickte auf das Display und atmete tief ein und aus. “Du schaffst das, Tony, versau es nicht.”

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze - Teil 1
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze

Er war zwar etwas nervös, doch als er das Pop-up entfernt hatte, blickte er auf ein Bild von ihm und seiner Frau Penelope. Immer, wenn er ihr sonniges Lächeln betrachtete, fühlte er sich gleich viel besser. Es war nicht mehr wie damals, als er volltrunken ihre Bilderrahmen frustriert gegen die Wände geschleudert hatte. Diese finsteren Zeiten des Frust-Saufens gehörten der Vergangenheit an und er schämte sich dafür, sich so gehen gelassen zu haben. Und das vor seiner Tochter.

Genau in diesem Moment tauchte Mary wieder im Türrahmen auf. “Schuhe binden, Daddy?” Er lächelte und kniete sich auf den Boden. “Aber du hast doch Klettverschlüsse.” Mary kicherte und hielt sich an seinem Hals fest. Mit Leichtigkeit hob er sie mit sich nach oben und nahm sie in die Arme. Er war so überglücklich, dass sie sich an die vergangenen Jahre kaum zu erinnern schien.

Kaum hatte er Mary bei ihren Großeltern abgesetzt, hastete er zurück zu seinem Auto und fuhr los. Er war bereits knapp dran und würde bei diesem Tempo gerade so pünktlich dort auftauchen. Er hasste es zu spät zu kommen und war daher grundsätzlich lieber eine halbe Stunde zu früh als fünf Minuten zu spät. Insbesondere jetzt, bei diesem wichtigen Termin. Es war eine Chance endlich wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Für gewöhnlich hatte er aufgrund seiner neuen Medikation nur Absagen erhalten.

Nach einer schier endlos scheinenden Parkplatzsuche stand er nun endlich vor dem kleinen Café mit den großen Glasscheiben, auf die der Name “Blackwater” als verschnörkelter Schriftzug aufgeklebt war. Tony war nervös und seine Hände zitterten während er einen Blick durch die Fensterscheibe in das noch leere Café warf. Nur ein junger Mann stand hinter dem Tresen. Er hatte Tony noch nicht bemerkt, er war zu beschäftigt damit, jede einzelne der großen Kaffeetassen auf ihren ursprünglichen Glanz zu polieren.

“Komm schon Tony, beruhig dich wieder, es ist nur ein Vorstellungsgespräch.” Doch so sehr er auch versuchte seine Aufgeregtheit herunterzukühlen, es gelang ihm einfach nicht. Seine Hände zitterten noch immer und er merkte, dass er vermutlich kaum ein Wort von sich geben könnte, würde er jetzt in diesem Gespräch sitzen. Plötzlich fiel ihm wieder ein, dass er sich heute Morgen noch einen Vape-Pen mit einem stark CBD-lastigen Extrakt in seine Tasche gesteckt hatte, bevor sie losgefahren waren.

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze - das Cafe
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze – Kann Tony den Job im Cafe bekommen, trotz Cannabis?

Doch sollte er ausgerechnet jetzt noch dampfen, so kurz vor diesem wichtigen Gespräch? “Nur zwei-drei schnelle Züge, das sollte genügen.” dachte er bei sich und holte den Stift-ähnlichen Vaporizer aus seiner Tasche. Nach wenigen Sekunden leuchtete ein grünes Licht auf, was die Bereitschaft des Gerätes signalisierte. Mit einem Blick auf die Uhr, er hatte noch ca. fünf Minuten bis zum Termin, setzte er das Gerät an seine Lippen und atmete den frischen süß-säuerlichen Dampf ein, während er seine Augen schloss.

Kaum hatte er seinen dritten Zug getan und den Dampf gen Himmel wandern lassen, fühlte er, wie sich die Wirkung in ihm bemerkbar machte. Eine wohltuende Wärme und innere Ruhe erfüllten ihn. Als er auf seine Hände schaute, hatten auch diese aufgehört zu zittern. Er atmete noch einmal tief ein und aus, dann öffnete er wieder die Augen.

Zu seinem Schreck stand eine junge Frau direkt hinter der Glasscheibe des kleinen Cafés und starrte ihn an. Sie hatte einen Stuhl in den Händen, den sie, ohne Tony aus den Augen zu lassen, nun ganz langsam auf dem Boden abstellte. Sie schaute ihn mit großen Augen unverhohlen an. Tony wusste nicht genau, wie er darauf reagieren sollte. Also nahm er seinen Mut zusammen, schenkte ihr ein freundliches Lächeln und winkte ihr zu, als er sich zur Eingangstür begab. Dort deutete er ihr mit einigen Handzeichen an, dass sie doch bitte die Tür öffnen möge.

Die junge Frau drehte sich zu dem Mann am Tresen herum und sagte etwas zu ihm, doch Tony konnte es nicht verstehen. Er erkannte aber, dass der Mann ihr eine Antwort gab, ohne von seinen Tassen aufzuschauen. Anschließend wandte sich die Frau wieder dem außenstehenden Tony zu und ging zur Tür, ohne ihn auch nur eine Sekunde aus den Augen zu verlieren. Mit einem Knacken wurde die Tür entriegelt und geöffnet.

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze – die Growbox

“Hallo, tut mir leid, dass ich störe, aber ich habe heute ein Vorstellungsgespräch.” sagte Tony während er das Lokal betrat. “Einfach gerade aus durch, die Chefin wartet schon auf dich.” erwiderte der Mann hinter dem Tresen, der sich mittlerweile dem Vorbereiten der Kaffeemaschinen gewidmet hatte und ihn auch dieses Mal nicht anschaute.

Etwas verlegen blieb Tony noch einen Moment auf der Stelle stehen, als er ein lautes Schnüffeln hinter sich vernahm. “Wusste ich’s doch…” hörte er die junge Frau murmeln, die nun dicht neben ihm stand und ihr Gesicht verzog. Tonys Gesicht hingegen lief rot an und er setzte sich schnell in Bewegung, um in das Büro der Geschäftsleitung zu gelangen.

Als er vor der Tür mit der Aufschrift “Geschäftsleitung! Zutritt auf eigene Gefahr!” angekommen war, versuchte er den holprigen Start zu vergessen und sich nur noch auf das Gespräch zu konzentrieren. Er klopfte an und betrat das Zimmer.

Vor ihm saß eine Frau mittleren Alters, sie war vermutlich in der gleichen Altersklasse wie er selbst. Die Frau trug einen fest geschnürten Dutt auf dem Kopf mit einer breiten Haarsträhne, die neben ihrem fahlen Gesicht herunter hing. Sie trug schicke Klamotten und eine runde Brille mit einer filigranen goldenen Umrandung – eine Businessfrau, wie sie im Buche steht. Ohne von ihrem Schreibtisch aufzuschauen, winkte sie ihn ins Zimmer und deutete ihm an, sich zu setzen.

Tony wollte gerade zu einer förmlichen Begrüßung ansetzen, als sie ihn mit erhobenem Zeigefinger davon abhielt. “Ssssssh, noch eine Minute! Ich brauche nur noch kurz eine Minute Ruhe.” Tony setzte sich stillschweigend auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch und ging im Kopf noch einmal alle wichtigen Fragen und seine Antworten darauf durch.

Die Frau kritzelte wild auf einem Stück Papier herum und legte es entnervt zur Seite, dann blickte sie auf. “So, jetzt aber, herzlich willkommen, mein Name ist Jessica van Dijk. Stellen Sie sich doch mal kurz vor, ich hatte kaum Zeit über ihre Unterlagen zu schauen.”

Er fasste kurz seine aktuelle Lage und alles über sein früheres Arbeitsleben zusammen, wobei er seine familiäre Lage und seinen Absturz nicht erwähnte. Er bezeichnete diese furchtbaren Jahre sporadisch nur als “Pause aus persönlichen Gründen”. Schließlich kamen sie zu dem Punkt, vor dem es Tony schon zu Beginn des Vorstellungsgesprächs graute.

„Na sie kennen das ja, ich bin gesetzlich verpflichtet sie zu fragen, ob sie Cannabis konsumieren. Die Frage muss ich…“ „Ja“, unterbrach sie Tony und blickte etwas beschämt auf den Boden.

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze – die morgendliche Kontrolle

„Oh… Wow, ähm, okay. Das muss ich wohl überlesen haben.“ Jessicas Blicke wanderten über die Unterlagen vor ihr, bis sie den Eintrag ganz unten fand: medizinischer Cannabiskonsument. Sie dachte nach, denn dieser Eintrag war bei den meisten Bewerbungsverfahren in der heutigen Zeit noch immer ein Grund für eine direkte Absage. Sie überlegte, wie sie nun damit umgehen sollte.

„Puuh, okay, na ja, jetzt sitzt du ja schon mal hier. Also wie läuft das ab bei dir? Ich darf doch ‘du’ sagen?“ Tony nickte und antwortete: „Also normalerweise konsumiere ich 2-3 mal am Tag, morgens, mittags und abends. Ich benutze einen Vaporizer, der wirkt nicht so stark und riecht nicht so übel.“ Jessica fuhr sich nachdenklich durch die Haare und massierte ihre Schläfen.

„Okay, das heißt also du wirst high zur Arbeit erscheinen, in der Mittagspause dein Vapo-Dingens benutzen und dann eigentlich auch den Rest der Arbeit high sein?“ Tony schüttelte eifrig den Kopf. „Nein nein! Ich… Also zumindest morgens ja, aber mittags muss ich nicht… Nur wenn…“ Er stammelte vor sich hin, da er vermutete es sich bereits mit seiner ersten Aussage versaut zu haben.

Jessica fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht und seufzte. „Nein, ist schon gut, alles in Ordnung. Wir werden sehen, ob es klappt. Ich will niemanden anders behandeln und nicht mit Vorurteilen anfangen. Es ist ja mittlerweile legal.“ Man konnte ihr ihren inneren Kampf ansehen: auf der einen Seite wusste sie nicht, ob sie mit einem bekifften Mitarbeiter klarkommen würde, auf der anderen Seite wollte sie ihn nicht anders behandeln als andere Bewerber.

Auch jetzt, wo Cannabis legalisiert worden war, las man dennoch in vielen Schlagzeilen Sätze wie „Wie effektiv arbeitet ein Pothead“, “Täglicher Rausch – sind Kiffer für ein Unternehmen tragbar?” und darauffolgend „Arbeitslosigkeit von Cannabiskonsumenten steigt“. Man konnte also eins und eins zusammenzählen: als Cannabiskonsument wurde man noch immer nicht wirklich in der Berufswelt akzeptiert, da die Menschen nach wie vor skeptisch waren.

Allerdings merkte man einen allmählichen Aufwind, da die Generation, in die Tony auch Jessica und sich selbst einordnen würde, sich nicht mehr mit Vorurteilen beschäftigen, sondern durch die Legalisierung auch das Verständnis der Menschen ändern wollte – der Großteil dieser Generation zumindest. Jessica schien nicht unbedingt eine begeisterte Verfechterin der Cannabis-Bewegung zu sein. Und doch wollte sie ihm eine Chance geben.

Tony's Weed von Mr. Haze Amaze
Tony’s Weed von Mr. Haze Amaze – in Tony’s Growbox wächst seine Medizin

„Okay, jetzt, wo wir per du sind, will ich dir nur direkt sagen: Ich hoffe für dich, dass du in deinem Zustand die Arbeit in unserem Café leisten kannst. Pennen, unzählige Raucherpausen und belästigen von Gästen durch penetranten Geruch ist ein absolutes No-Go, kapiert? Und jetzt muss ich dich aber auch schon wieder verabschieden, ich hab ’ne ganze Menge zu tun und brauche dafür absolute Ruhe.

Du kannst gleich morgen anfangen, wir öffnen um sieben, also stehst du um sechs hier auf der Matte.” Während sie den letzten Satz zu Ende sprach, stütze sie ihren Kopf auf der Hand ab und vertiefte sich in einen großen Berg aus Papieren auf ihrem Schreibtisch. Sie schaute noch einmal kurz auf, Tony stand noch immer vor ihr und rieb sich verlegen die Hände. “Ist noch was? Ich hab zu tun.”

Tony haderte noch einen Moment mit sich selbst, dann antwortete er: “Sechs Uhr könnte etwas knapp werden. Wissen sie vielleicht, ob sich in der Nähe eine Kindertagesstätte befindet, die so früh öffnet?”

Etwas überrascht von dieser Frage schob sich Jessica ihre Brille ein Stück nach unten. “Mmh ich glaube zwei Straßen weiter gibt es tatsächlich eine, ich kenne die Besitzerin. Du hattest gar nicht erwähnt, dass du ein kleines Kind hast. Kann deine Frau das Kind nicht später in der Kita absetzen?”

Tony biss die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. “Meine Frau… ist leider schon vor zwei Jahren bei einem Autounfall…” Jessica wirkte sichtlich beschämt und wollte sich gerade für ihren Tritt ins Fettnäpfchen entschuldigen, doch Tony winkte ab. “Vielen Dank für den Tipp mit der Kita. Ich werde dort mal nachfragen, ob ich meine Kleine dort morgens früh schon absetzen darf.”

Tony ging bereits einige Schritte rückwärts und verbeugte sich dankend, dann ließ er mit den Worten “Morgen um sechs Uhr, ich werde pünktlich sein.” die sichtlich perplexe und beschämte Jessica in ihrem Büro zurück.
“Ein alleinerziehender Vater und Cannabiskonsument?” Jessica wusste nicht genau, was sie davon halten sollte.

Der Beitrag „Tony’s Weed – eine Kurzgeschichte von Mr. Haze Amaze“ ist am 11. Januar 2022 veröffentlicht worden.

Tony’s Weed – eine Kurzgeschichte von Mr. Haze Amaze – Teil 2 ab dem 18. Januar 2022
Tony’s Weed – eine Kurzgeschichte von Mr. Haze Amaze – Teil 3 ab dem 25. Januar 2022

Bilder: Haze Amaze, Tampe-Media