Keine Cannabis Medizin mehr für Deutschland

Keine Cannabis Medizin mehr für Deutschland

Bedrocan kann aktuell keine Cannabis Medizin liefern.

Wie die Kollegen von Apotheke-adhoc.de heute mitgeteilt haben, wird es erneut zu einem Lieferengpass bei Cannabis Medizin in Deutschland kommen. Was ist passiert? Bedrocan, der einzige niederländische Produzent für Cannabis Medizin, fällt für 6 bis 8 Wochen als Lieferant aus. Das niederländische Cannabis Büro kann nichts mehr liefern, die Lager sind einfach leer. Das bedeutet vor allem für kleiner Apotheken, die sich nicht auf Cannabis Kunden spezialisiert haben, dass es in den nächsten Wochen keinen Nachschub mehr vom Großhandel geben wird, und sie Ihre Kunden nicht bedienen können. Das betrifft alle Sorten von Bedrocan.

Ende letzter Woche hat das niederländische Büro für Cannabis Medizin die Großhändler per email darüber informiert. „Aufgrund zusätzlich benötigter Tests, die benötigt werden, um die Chargen für den Export freizugeben, haben wir derzeit keine Ware am Lager“, heißt es darin. Man hoffe, das Problem in den nächsten beiden Wochen lösen zu können. „Das heißt, dass wir in den kommenden Wochen nicht in der Lage sein werden, Cannabis Medizin zu verschicken. Es wird voraussichtlich zwei bis sechs Wochen dauern, bis wir das wieder tun können.“ Anscheinend ist bei den Analysen der Ware ein Fehler unterlaufen. Laut Cannabisbüro waren sie unvollständig und müssen deshalb vollständig von vorn durchgeführt werden. Betroffen ist davon bereits die Juni-Lieferung.

Das niederländische Cannabisbüro ist zuständig für den Ankauf und Verkauf von Cannabis Medizin. Sie kaufen von Bedrocan, dem einzigen niederländischen Produzenten, die komplette Produktion auf,
und lässt diese dann bestrahlen und analysieren, und exportieren sie dann nach Deutschland. Der deutsche Markt nimmt ungefähr 75% der niederländischen Ware ab, so das der deutsche Markt für die Niederländer sehr wichtig ist. Umgekehrt ist die Versorgung der Apotheken auch aus Kanada sicher gestellt, von den 6500kg Cannabis Medizin die 2019 in Deutschland verkauft wurde, sind 2500kg von Bedrocan aus den Niederlande. Alles andere kommt aktuell aus Kanada von Firmen wie Aphria, Aurora, Canophy Growth u.a. Das heißt gut 40% der Lieferungen von Cannabis Medizin werden in den nächsten 6-8 Wochen fehlen, wenn nicht länger.

Patienten ohne Cannabis Medizin

David Henn, Geschäftsführer von Cannamedical sagt dazu: „Wir gehen aktuell davon aus, dass Bedrocan Produkte für circa 8 Wochen nicht auf dem deutschen Markt verfügbar sein werden“

Und wieder stehen deutsche Patienten ohne eine sichere Versorgung mit den Sorten da, die Sie vom Arzt für Ihre Therapie verordnet bekommen.
Und so schnell bekommt man kein neues Rezept mit einer anderen Sorte ausgestellt, d.h. dann mal ebend einige Wochen ohne Medikamente leben und klar kommen. Diese schlimme Situation haben deutsche Patienten in den letzten 3 Jahren regelmäßig erlebt, es gibt leider immer noch keine stabile Versorgung mit Cannabis Medizin für die gut 80.000 Cannabis Patienten.

Cannabis Medizin
Cannabis Medizin Anbau

ACM Petition Eigenanbau kann helfen

Ein sehr guter Moment, noch einmal deutlich auf diese bestehende Problematik hinzuweisen, und auf die gerade laufende Petition der ACM – Arbeitsgemeinschaft Cannabis Medizin aufmerksam zu machen.
Heute sieht man wieder wie wichtig es ist, wenn Patienten sich selber versorgen dürfen, d.h. wenn Patienten sich Cannabis selber anbauen dürfen. Oder wenn es auch Ware aus anderen Quellen als nur den Apotheken mit Preisen von 24,- € zu kaufen gäbe. In den meisten Ländern mit einem medizinischen Program, können die Patienten sich Ihre Medizin für wenige Euro selber anbauen, genau das möchte die Petition unter anderem erreichen. Straffreiheit für Patienten die sich selber versorgen!

Gewinner und Verlierer

Die stellvertretende Vorsitzende des Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA) Frau Astrid Staffeldt sieht das etwas gelassener: „Wenn es bei sechs Wochen bleibt, denke ich, dass das gehen sollte, weil wir mittlerweile auf dem Markt auch andere Ware haben. Das wäre vor nicht allzu langer Zeit noch ein größeres Problem gewesen“. Da redet sich jemand leicht, der es besser wissen sollte, aber ja Sie ist keine Patientin und hat das Problem nicht ohne Medikamente dazustehen.

Es ist richtig, dass es auch Ware aus Kanada gibt, aber ebend nicht die benotigten und verschriebenen Sorten. Und die kanadische Menge alleine ist nicht genug für alle deutschen Patienten.

Auch die sich im Aufbau befindlichen europäischen Produktionen wie in Deutschland, Dänemark und Portugal sind keine Hilfe. Die deutsche Produktion ist noch nicht soweit fertig das Sie verarbeitet werden kann, und ist auch dann nur eine kleine Menge. Das Gleiche gilt für die anderen Produktionen, die ja auch feste Lieferverträge haben und nicht einfach mal schnell nach Deutschland umgelenkt werden können.

Frau Staffeldt weißt darauf hin, das manche Apotheken, die sich wie Ihre eigene auf Cannabis spezialisiert haben, einen entsprechend größeren Vorrat haben und noch eine Zeit lang liefern können. Diese haben einfach eine größere Lagerhaltung und oft auch mehr Bezugsquellen, denn es gibt ja schon gut 40 Lieferanten in Deutschland für medizinisches Cannabis.

Cannabis Medizin
Outdoor Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in den USA

„Für uns ist das kein Problem, weil wir erst kurz davor eine große Bestellrunde absolviert haben“, sagt sie. Auch wer nicht auf Cannabis spezialisiert ist, aber Patienten betreut, die konstant dieselbe Sorte erhalten, und entsprechend gelagert hat, den dürfte der Engpass ebenfalls weniger betreffen, vermutet Staffeldt: „Ich kann mir aber vorstellen, dass es für Apotheken, die ad hoc etwas bestellen wollen, schwierig wird. Ich würde die jetzige Situation als Stresstest bezeichnen, der eine oder andere wird durchaus Probleme haben.“

Die höhere Zahl an Großhändlern, inzwischen gibt es 41 Großhändler für medizinisches Cannabis in Deutschland, läßt Hr. Henn darüber spekulieren, dass es eventuell eine Welle von Insolvenzen geben wird. Seit der Cannabis-Reform im März 2017 haben viele Großhändler die Versorgung mit Blüten & Co. als Geschäftsfeld entdeckt, und viele beziehen Ihr Cannabis von Bedrocan aus den Niederlanden, obwohl die Importmenge mit 2500kg/Jahr gleich bleibt. Der jetzige Totalausfall kommt damit zu einer denkbar schlechten Zeit. Für viele Unternehmen könnte es durchaus eng werden, erwartet auch Staffeldt: „Großhändler, die ausschließlich von Bedrocan-Ware leben, verdienen sechs Wochen lang überhaupt kein Geld.“

Das jammern aus wirtschaftlichen Gründen, mit dem Hinweiß das man nicht genug Geld durch den Lieferausfall verdienen kann, ist ehrlich gesagt ein Hohn für alle Patienten, und zeigt deutlich wo die Firmen moralich stehen, näher zum Geldbeutel als bei den Patienten! Und Fr. Staffeldt und Hr. Henn sind sicher nicht böse darüber, wenn Ihre Konkurrenz nicht liefern kann, was Beide am Lager haben…

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