Der Clash von Cannabis-Industrie und indigenen Gemeinschaften

Der Clash von Cannabis-Industrie und indigenen Gemeinschaften

Wie die aufblühende Cannabis-Industrie für Probleme in Kolumbien sorgt

In Kolumbien steht die noch junge Cannabis-Industrie bereits heute vor einigen Herausforderungen aufgrund unvorhergesehener Auswirkungen und besorgniserregender Folgen dieses sich neu entwickelnden Sektors für die indigenen Völker. Diese hat nun mit dem Problem der Landknappheit zu kämpfen, mit fehlendem Ackerland und Boden für Ihre traditionellen Kulturen, was natürlich die angestammte Souveränität der indigenen Völker über die natürlichen Ressourcen untergräbt. Grund genuch für die indigenen Gemeinschaften sich zu weheren und von der Politik Schutz und Lösungen zu erwarten.

Cannabis-Industrie
Die Cannabis-Industrie in Kolumbien verdrängt indigene Lebensweisen

Seit der Legalisierung des Cannabis Anbaus, der Verarbeitung und des Exports von medizinischem Cannabis in Kolumbien im Jahr 2016, und nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und der Guerillagruppe Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) wurden in Kolumbien die ersten Lizenzen an die Cannabis-Industrie erteilt, was dann schnell dazu führte, dass das Land große ausländische Investitionen im Wert von über 400 Millionen Dollar in den Aufbau eines nationalen Netzes von Farmen und Labors anlockte.

Das Klima, die Lage und die niedrigen Produktions- und Herstellungskosten machen Kolumbien für die großen Unternehmen der Cannabis-Industrie zum idealen Standort für die Errichtung großer Outdoor-Plantagen. Schon 2016 wurden die ersten Produktions- und Vertriebslizenzen für aus Cannabis gewonnene Produkte an die kanadische und amerikanische Cannabis-Industrie wie PharmaCielo oder One World Pharma und viele andere vergeben, die auch planen dort weiter zu wachen und zu expandieren.

Obwohl die Unternehmen der Cannabis-Industrie versucht haben, über lokalen Gruppen und Organisationen, mit den indigenen Gemeinschaften und ihren Mitgliedern zusammen zu arbeiten, bedrohen die Aktivitäten dieser großen Unternehmen nicht nur den traditionellen Lebensstil der indigenen Bevölkerung, sondern auch ihr Überleben und ihre Lebensgrundlage im Allgemeinen. Heute fürchten diese gefährdeten indigenen Gemeinschaften die soziale Ausgrenzung und das Verschwinden der traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken und der traditionellen Medizin.

Cannabis-Industrie
Durch Landraub der Cannabis-Industrie bedrohte Indigene

Aus all diesen Gründen haben sich die Stammesführer dieser indigenen Gemeinschaften zu Wort gemeldet und ihre Besorgnis über mögliche Interessenkonflikte und Landstreitigkeiten zwischen den verschiedenen an diesem wachsenden Cannabisgeschäft beteiligten Akteuren zum Ausdruck gebracht. Sie behaupten, dass sich die Lebensbedingungen der Misak, die ursprünglich aus dem Süden Kolumbiens stammen, durch das Landdefizit, das die Monokultur von Cannabis verursacht hat, verschlechtert haben.

Im Guambia-Reservat beispielsweise stehen nur 22 % der Gesamtfläche überhaupt für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung, während 78 % dieses Landes geschützt sind, weil es sich um heilige Gebiete oder wichtige einzigartige Ökosysteme handelt. Sie machen darauf aufmerksam, dass die Besetzung dieser Felder durch multinationale Konzerne der Cannabis-Industrie zur Massenproduktion von Cannabis den indigenen Gemeinschaften, die diese Flächen und Felder zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zum Überleben benötigen, den Landbesitz entzieht, und ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird.

Diese neue Situation wird von der indigenen Bevölkerung zu Recht als Missachtung des Vermächtnisses ihrer Vorfahren und als kontraproduktiv für den traditionellen Anbau und die Nahrungsmittelselbstversorgung aller Gemeindemitglieder angesehen. Ein weiterer kritischer Punkt ist, wie Taita José Pillimue, der stellvertretende Misak-Gouverneur des Reserve Citizen Council im Guambia-Reservat, erklärt, dass die Menschen angesichts dieser Situation auch gespalten sind.

Einige örtliche Bauern haben den Respekt vor der Autorität der Stammesführer verloren, die die Gemeinschaften schützen, und haben auch ihre traditionellen Anbaumethoden und ihr Ackerland aufgegeben. Dies ist das Ergebnis der Partnerschaft zwischen verschiedenen Unternehmen, die von den Misak geleitet werden, und ausländischen multinationalen Unternehmen der Cannabis-Industrie, die sich der Monokultur von Cannabis verschrieben haben.

Cannabis-Industrie
Es geht der Cannabis-Industrie um die Landflächen

Dennoch haben die Misak-Behörden in einer Pressemitteilung ihre Position zum Ausdruck gebracht: Sie lehnen es ab, ihre Arbeitskräfte als Arbeiter für ein ausländisches Unternehmen einzutauschen, und weigern sich, die Einführung eines korporativen Regimes in ihren Gebieten zuzulassen. Sie erinnerten auch an das Mandat der Nationalkongresse 2017 und 2019, das ausdrücklich die „Ausweitung von Monokulturen und externen Wirtschaftsformen, die die Stabilität der angestammten indigenen Souveränität beeinträchtigen und schädigen könnten“, untersagt.

Die Misak fordern die kolumbianische Regierung auf, den Zutritt multinationaler Konzerne der Cannabis-Industrie zu begrenzen, um ihr kulturelles Erbe zu bewahren und ihre wirtschaftliche und soziale Stabilität zu schützen.

„Deshalb sind multinationale Konzerne, die Reichtum für die Industrieländer anhäufen, einfach nicht willkommen“, betont Pillimue.

Der Artikel „Das Aufeinanderprallen von Cannabis-Industrie und indigenen Gemeinschaften“ wurde am 7. September 2021 veröffentlicht.