Wird Guernsey 2022 Cannabis legalisieren?

Wird Guernsey 2022 Cannabis legalisieren?

Guernsey diskutiert über Reformen für 2020

Die kleine Kanalinsel Guernsey ist den meisten von uns wenn dann eher durch Briefmarken bekannt als durch Cannabis, aber das könnte sich schnell ändern. Die landwirtschaftliche Nutzung besteht bisher vor allem in Viehzucht und Gartenbau. Die zweitgrößte Kanalinsel ist auch ein bedeutendes Touristenziel für Natur- und Vogelliebhaber.

Guernsey Cannabis
Die Kanalinsel ist bekannt für Ihre Natur und Landwirtschaft

Für diejenigen, die die Entwicklung der europäischen Cannabis-Diskussion verfolgen, ist die Insel Guernsey derzeit einer der interessantesten Orte. Die Insel, die zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich liegt, ist seit einigen Jahren auch schon in der Frage der medizinischen Reform sehr aktiv.

Doch jetzt geht es um Hanf für den privaten Freitzeitgenuss, und darum diesen für die Bewohner von Guernsey zu legalisieren und den Konsum noch 2022 freizugeben. Noch interessanter ist, dass die Petition von einem politischen Führer unterstützt wird, der nicht zufällig gerade erst am 1. November 2021 aus dem Innenausschuss der Insel wegen seiner Rolle als Manager einer Cannabis-Firma zurückgetreten ist.

Es geht um Marc Leadbeater, der neben seinem Job als „Deputy“, was bei uns ein Abgeordneter ist, auch Direktor des lokalen Hanfunternehmens „The House of Green“ ist, die nicht nur Hanf anbauen, sondern auch zahlreiche Produkte wie Extrakte etc. herstellen. Genau das hatte andere Mitglieder des Ausschusses dazu veranlasst, seine Sichtweise der Drogenreform in Frage zu stellen, und Ihm einen Interessenkonflikt zu unterstellen, voraufhin Leadbeater von seinem Amt zurückgetreten ist.

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Marc Leadbeater will die Legalisierung

Leadbeater schlägt nun ein spezielles politisches Verfahren vor – nämlich ein Ersuchen -, um die vollständige Legalisierung zu diskutieren. Wenn dies von sieben Mitgliedern des Inselausschuss befürwortet wird, muss das Thema der Regierung von Guernsey vorgelegt werden.

Dieses rege Interesse von Regierungsvertretern folgt innerhalb weniger Tage auf eine Erklärung des ehemaligen Chief Ministers der Insel, Gavin St. Pier. St. Pier teilte mit, dass er der Meinung ist, dass Weed legalisiert werden sollte, um die Branche zum Nutzen der Wirtschaft der Insel besser zu regulieren, zu lizenzieren und zu besteuern.

Lizenzen für den Hanfanbau sind seit Juli dieses Jahres erhältlich. Schon jetzt gibt es auf der Insel mehrere Firmen die sich mit Cannabis als Medikament befassen und dieses herstellen und verarbeiten. Zudem gibt es auch mehrere Kliniken in denen man sich nur mit Hanf behandeln kann, natürlich sind diese alle für Privatpatienten gedacht, die Ihre Therapie selber zahlen, das nationale Gesundheitssysten deckt solche Kosten noch nicht ab.

Das Konzept, dass Cannabis auch als wirtschaftliches Sanierungsinstrument für die vielen leerstehenden Gewächshäuser auf der Insel dienen könnte, ist hier schon seit einiger Zeit in aller Munde. Das Klima auf Guernsey ist mild und würde auch eine Outdoor-Ernte im Jahr erlauben. In den Gewächshäusern könnte man natürlich mehrmals im Jahr anbauen.

Warum ist der Aufruhr so bedeutsam?

Es gibt mehrere Gründe, warum der Zeitpunkt dieser Auseinandersetzungen so interessant ist.

Der erste Grund ist natürlich, dass sowohl Luxemburg als auch die Schweiz in den nächsten zwei Jahren Freizeitmärkte einrichten wollen, auch wenn es sich dabei um Versuche handelt. die kleine Insel könnte diesem Trend durchaus folgen und zum jetzigen Zeitpunkt einen großen Einfluss auf die Debatte haben, unabhängig davon, wie groß der einheimische Markt am Ende sein wird.

Hier ist der Grund dafür – abgesehen davon, dass Guernsey möglicherweise das dritte (oder vierte, wenn Portugal ebenfalls vorankommt) Land in Europa wird, das sich voll und ganz der Freizeitgestaltung widmet. Die Insel befindet sich auf der britischen Seite des Brexit. Infolgedessen würde sie auch der erste Teil des Vereinigten Königreichs werden, der eine Legalisierung des Konsums für Erwachsene einführt, wenn sich all diese Pro-Hanf-Euphorie bewahrheitet.
Das wäre ein wirklich großer Schritt.

Der Stand der Cannabisreform auf Guernsey im Vereinigten Königreich

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mit Landwirtschaft und Viehzucht verdient man bisher das Geld

Leider hat sich die Regierung des Vereinigten Königreichs trotz des großen Lärms nicht in der gleichen Weise in die Diskussion eingeschaltet wie die deutsche Regierung. Zwar ist es technisch möglich, medizinischen Hanf (in sehr begrenzten Formen) im Rahmen des National Health Service (oder NHS) zu erhalten, aber die Reform kommt nur sehr langsam voran. Selbst Patienten, die für die Verwendung zugelassen sind (einschließlich MS-Patienten), erhalten ihr Cannabis nicht.

Hinzu kommt, dass die Hauptkrankheit, für die Cannabis in Deutschland verwendet wird, nämlich chronische Schmerzen, von den britischen Gesundheitsbehörden bisher nicht diskutiert wurde.

Die einzige Krankheit (und Patientengruppe), die es geschafft hat, die Öffentlichkeit und damit auch die Politik zu begeistern, sind Kinder mit Epilepsie. Und obwohl dies sehr gut dazu beigetragen hat, den politischen Willen zugunsten von mehr medizinischen Reformen zu bewegen, hat dies bisher zumindest keine Patientenbasis im öffentlichen Gesundheitswesen geschaffen.

Im Gegensatz dazu gibt es in Deutschland viereinhalb Jahre, nachdem die Regierung die Übernahme von Cannabis durch die gesetzliche Krankenversicherung als Medikament der letzten Instanz angeordnet und ein Angebot für den heimischen Anbau unterstützt hat, inzwischen schätzungsweise 130.000 Patienten.

Auch in Deutschland ist die Cannabis-Diskussion noch lange nicht geklärt – auch nicht im medizinischen Bereich. Im Gegensatz zu Großbritannien ist das Land jedoch Lichtjahre voraus.

Der einzige sichere Weg, um im Vereinigten Königreich Zugang zu medizinischem Cannabis zu erhalten, ist der Besuch eines Arztes in einer privaten medizinischen Klinik. Natürlich ist diese Option für die meisten allein aus Kostengründen tabu. Das Gleiche gilt für den Erwerb einer persönlichen Einfuhrlizenz.

Infolgedessen ist die Reform im Vereinigten Königreich ins Stocken geraten, obwohl es der aufstrebenden Industrie nicht an Enthusiasmus mangelt. Die Cannabis-Konferenzen im Vereinigten Königreich sind diesen Herbst ausverkauft. Das CBD-Geschäft hat sich rasend schnell entwickelt. Es gibt private Cannabis-Spezialkliniken für diejenigen, die es sich leisten können. Unabhängig davon ist es unwahrscheinlich, dass eine echte Reform zuerst auf dem Festland stattfinden wird.

Guernsey Cannabis
Mit Hanf wollen die Insulaner Geld in die Kassen spülen

Deshalb ist dieser Schritt auf Guernsey jetzt politisch so wichtig – nicht nur auf der Insel selbst, sondern vor dem Hintergrund einer viel umfassenderen regionalen Reform auf beiden Seiten des Brexit.

Mit anderen Worten: Egal, was passiert, das Pferd hat den Stall verlassen – und es wird wahrscheinlich nicht das letzte sein, das dies tut.

Der Artikel „Wird Guernsey das nächste Land das Cannabis Legalisierung in Europa?“ ist am 12. November 2021 erschienen.

Bilder: Pixabay, Tampe-Media