Rockers (1979)

Reggae Stoner Movie der Woche

Intro

Ich hass(t)e Reggae. Ich möchte das unmissverständlich klarmachen: Ich hass(t)e Reggae. Deshalb mochte ich Rockers (am Anfang) auch nicht. Der 1979 gedrehte, jamaikanische Streifen war für mich einfach nur ein unangenehmes Gibberish aus gebrochenem Englisch und einer ungeordneten Story.

Nachdem ich mich aber mehr über den Film informierte, merkte ich wie fehlgeleitet meine Meinung war. Das Gibberish war Kreolisch/Patois, eine Sprache welche die Verbundenheit zwischen jamaikanischen Sklaven und der Sehnsucht nach dem afrikanischen Heimatland aufbauen soll.

Die Versprechungen sind in Wahrheit tief durchdachte Phrasen, welche eher Gefühle ansprechen als Logik. Anstatt „wir“, „Ich“ und „Du“ sagt man hier InI (I and I, in Deutsch Ich und Ich), was zuerst komisch klingt, aber genau die Message der Liebe und Kooperation, die dieses Land ausstrahlt, darstellt.

Rockers ist Jamaika und Reggae in den 70ern, ein Land das gespalten ist durch seine Vergangenheit, aber verbunden durch seine Musik und Liebe. Außerdem beinhaltet der Film zu viele Momente in denen Ganja geraucht wird, um ihn nicht zu einem Stoner Film der Woche zu machen.

Summary

Rockers folgt dem Künstler Horsemouth, welcher versucht sich als Reggae-Musiker durchzuschlagen. Leider bringt das nicht genug Geld ein und seine Frau fängt an sich zu beschweren, dass er sich einen ordentlichen Job holen soll. Also leiht er sich Geld von seiner Frau, um sich ein Motorrad zu kaufen und fängt damit an Schalplatten an die verschiedenen Sound Systems (mobile Diskotheken, in welchen auch Ska und Rocksteady entstannt) zu verkaufen.

Die Dinge scheinen ganz gut zu laufen, bis jemand Horsemouthes Motorrad klaut. Eine Suche nach dem Motorrad beginnt, welche durch Montego Bay und die berühmten Channel One Studios führt. Er findet heraus, dass ein kleiner Verbrecherring Fahrräder, Motorräder und Haushaltsgeräte klaut.

Horsemouth und seine Freunde (eine Bande weiterer Reggae-Künstler) beschließen einen Robin-Hood-Coup auszuführen und von den Dieben zu stehlen, um es an die Beraubten zurückzugeben.

Die Geschichte von Rockers wird öfters als eine Kombination aus Robin Hood, Shaft und dem italienischen Film „Bicycle Thieve“ aus dem Jahr 1948 von Vittorio de Sica beschrieben. Ob Theodoros Bafaloukos beim Schreiben von Rockers an all diese Filme gedacht hat, kann ich nicht sagen. Was man aber bei Rockers spürt, ist eine Tiefe spirituelle Verbindung zwischen Reggae-Musik, Afrika und dem Kampf gegen ein unterdrückendes System.

In Rockers wird auch nur in Kreolisch/Patois gesprochen und man tut sich schwer eine übersetzte Version zu finden. Deshalb kann ich dir nur empfehlen den Film mit Untertiteln zu gucken. Das Kreolisch/Patois ist aber trotzdem eine Analyse wert.

Sprache ist auf Jamaika nämlich zu einem Werkzeug geworden, mit welchem Rastafari versuchen ein dekolonisiertes Lexikon aufzubauen. Dieses dient als eine Art Widerstand gegen die Sprache und Werte, welche während der Sklaverei eingeführt wurde und von der anglophilen Kultur, welche dominant in der jamaikanischen Elite war.

Mit Dreadlocks und einer eigenen Sprache erschufen Rastafari einen gemeinsamen emanzipierten, postkolonialen, panafrikanischen Geist, welcher sich gegen die Effekte der Vergangenheit wehrt. Ja, jamaikanische Geschichte und Kultur ist interessant. Deshalb solltest du vielleicht auch eine Google-Suche riskieren oder unseren Artikel über Cannabis und Musik lesen.

Cast & Crew

Was den Film so authentisch macht, ist nicht nur seine Darstellung der 70er auf Jamaika, es sind auch seine Darsteller. So ziemlich jeder der größeren Darsteller ist nämlich ein Reggae-Künstler im echten Leben und Extras im Hintergrund sind echte Menschen, welche gerade in der Umgebung waren.

Hauptdarsteller ist hier Horsemouth, welcher im echten Leben einer von Jamaikas größten Schlagzeugspielern ist. Er hat mit fast jedem Aufnahmekünstler auf Jamaika gespielt und die Grundlagen der Reggae-Musik gelegt. Seine Frau im echten Leben, spielt übrigens auch seine Frau im Film.

Ein weiterer Künstler aus Rockers ist Richard “Dirty Harry” Hall, ein lebenslanger Freund von Horsemouth, welcher Horsemouths treuen Kumpanen spielt. Er ist einer der großen Erschaffer des Reggae Horn Sounds.

Weiterhin haben wir Robert „Robbie“ Shakespeare, den mitunter bekanntesten Bassspieler der Reggae-Welt, der außer mit Marley und Peter Tosh auch mit den Aggrovaters spielte und dann mit Sly Dunbar als Duo bis heute auftritt.

Frank „Kiddus-I“ Dowding, der in den ´70 Jahren mit Ras Michael & The Sons Of Negus unterwegs war und das „Shepard“ Plattenlabel gegründet hat.

Und Winston „Burning Spear“ Rodney, der allen Reggae-Liebhabern bekannt ist für sein klassisches Roots-Album „Social Living“ von 1978, der aber schon seit Ende der ´60 Platten aufnimmt. Er ist einer der alten, großen Männer des Roots-Rock-Styles.

Alle von ihnen spielen Charaktere, welche Horsemouth bei seinem Coup helfen. Geschrieben und Regie geführt hat Theodoros Bafaloukos, welcher witzigerweise keine Jamaikaner, sondern Grieche ist. Nach Rockers machte er eher kleinere Produktionen und Musikvideos. Er verstarb in 2016, im Alter von 70 Jahren.

Review Anderer

Rotten Tomatoes86% (Kritiker) / 95% (Zuschauer)
IMDb7,6/10
MetacriticNicht vorhanden

Ich bin wirklich mit der Erwartung in diese Review gegangen, dass niemand Rockers mochte oder verstand. Ich war mir sicher, dass der Film als Indie-Stoner-Kino abgestempelt wird und in Vergessenheit fiel, weil die meisten die Rolle, die Reggae bei der kreativen, sozialen und politischen Befreiung der Afrikaner auf beiden Seiten des Atlantiks spielte, nicht verstehen würde.

Aber ich lag falsch. RICHTIG falsch. Kritiker auf Rotten Tomatoes gaben Rockers 86% und Zuschauer 95%, eine Bewertung, die sich die meisten Spielfilme wünschen würde. IMDb hielt sich hier auch nicht zurück mit einer Wertung von 7,6/10. Irgendwie macht mich das ein klein wenig glücklich.

Fazit

Obwohl Perry Henzells Krimidrama „The Harder They Come (1972)“ und sein Soundtrack eher dazu beitrugen der Welt Reggae näher zu bringen, macht Rockers es genauso gut und hilft uns, in die Seelen derer zu blicken, die hinter der Musik stehen.

Rockers zeigt uns nicht nur die Musik, sondern taucht auch tief in die jamaikanische und afrikanische Kultur ein. Übrigens hasse ich Reggae nicht mehr, aber ich mag ihn immer noch nicht. Dafür ist jamaikanischer Ska perfekt zum Arbeiten.

Muss man Reggae mögen, um Rockers zu genießen? Nein, aber es hilft. Ich mochte den Sound und die Songs des Films nicht (außer Kiddus-I’s Song). Ich mochte die Aufnahmen auch nicht und errette mich von diesem Patois, aber nachdem ich mich ein wenig über die Kultur und Geschichte informierte, formte sich in mir ein anderes Gefühl: Respekt. Jamaika und die Reggae-Kultur versuchen nicht ihre Vergangenheit zu vergessen oder zu retuschieren. Nein, sie akzeptieren ihren bitteren Geschmack und versuchen daraus ihren eigenen süßen Saft zu machen. Reggae ist hier das Bindemittel, welches alles zusammenführt.

Ich glaube, es gibt keinen besseren Strain, welcher zu dem Film passt, als ein original jamaikanischer Lamb’s Bread, eine reine Landrasse Sativa, die die Sonne in deinem Herzen aufgehen läßt und dich angenehm euphorisiert. Aber ob Indica oder Sativa ist eigentlich egal, denn das Wichtigste ist, dass man die Message, welche der Film ausstrahlt, fühlt und da hat jeder Rasta seinen eigenen Weg.

Mit grünen Grüßen,
Mac.

Der Bericht „Fear and Loathing in Las Vegas“ ist am 13. November 2020 erschienen.

Alle Stoner Movies der Woche:
Leaves of Grass
Cheech & Chong – Viel Rauch um Nichts
How High
Dude
Bill und Ted’s verrückte Reise durch die Zeit
The Big Lebowski
Half Baked
Bill und Ted – Face the Music
Reefer Madness
Easy Rider
Henghasch – Mord mit Aussicht
Harold und Kumar 1
Strange Wilderness
American Ultra
Harold und Kumar 2
Fritz the Cat
„Ey Mann wo is mein Auto?“
Fear and Loathing in Las Vegas
Rockers

Das Stonermovie Genre im Überblick

Bericht über Butschi’s und Schnuffi’s Stonermovie Podcast

Stony Friday Movie Night, der Stoner-Movie-Podcast

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