Interviews mit Fachkundigen - von Wissenschaftlern und Kiffern

Interview: 5 Fragen an „Einige Autonome Blumenkinder“ aus Göttingen

Einige autonome Blumenkinder aus Göttingen: Cannabis im öffentlichen Raum

Aktion der Autonomen Blumenkinder aus Göttingen: Cannabis im öffentlichen Raum

In der hanfseite.de Interview-Reihe kommen Aktivisten, Befürworter und Gegner der Cannabis-Legalisierung zu Wort. Heute sprechen wir mit einer oder mehreren Personen (so genau wissen wir das auch nicht), die in Göttingen und Umgebung regelmäßig durch Guerialla-Growing Aktionen auf das Thema Cannabis Legalisierung aufmerksam gemacht hat.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind „Einige Autonome Blumenkinder“, ein Zusammenschluss von politisch aktiven Menschen, die die Entkriminalisierung der Hanfpflanze anstreben. Dafür nutzen wir das Mittel des Guerilla-Gardening, um durch die massenhafte Präsenz der Hanfpflanze im öffentlichen Raum eine Diskussion anzustoßen. Näheres wollen wir an dieser Stelle nicht preisgeben, da die Polizei auch dieses Jahr wieder ein Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet hat. Reichlich humorlos, aber der aktuellen irrational-repressiven Gesetzgebung entsprechend.

Wie denkt Ihr über die Legalisierung von Cannabis?

Natürlich dafür! Es spricht einfach viel mehr für die Legalisierung, die aktuelle Kriminalisierung ist eindeutig kontraproduktiv. Konsument*innen müssten sich nicht mehr bei Dealer*innen eindecken und dabei ungewollt mit „härteren“ Drogen in Kontakt kommen. Objektive Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen des Cannabiskonsums würde möglich, abseits der von manchen Stellen immer noch betriebenen Dämonisierung. Die medizinische Nutzung würde ermöglicht. Weitere Gründe findet ihr in der Broschüre „Hanf säen mit Anna und Arthur“ von der Grünen Jugend Göttingen, denen haben wir ein Interview gegeben.

Guerilla Gardening Aktion der autonomen Blumenkinder: Hanfwald am Auditorium in Göttingen

Guerilla Gardening Aktion der autonomen Blumenkinder: Hanfwald am Auditorium in Göttingen

„Einige autonome Blumenkinder“ haben in diesem und im letzten Sommer in den Medien relativ viel Aufmerksamkeit für die Hanf-Säh-Aktion in Göttingen bekommen. Sogar Spiegel Online und die Bild-Zeitung haben über Euch berichtet – und das auf eine vergleichsweise neutrale Art und Weise. Glaubt ihr, dass die Zeit vorbei ist, in der Cannabis von den Massenmedien verteufelt wurde?

Dass unsere Aktion so überaus positiv rezipiert wurde, würden wir zum einen dem grundsätzlich sympathischen Charakter der Protestform Guerilla Gardening zugestehen. Zum anderen glauben wir aber auch, dass die Gesellschaft progressiver eingestellt ist als die aktuelle Gesetzgebung. Eine Zeitung, die einen Veriss über uns produziert hätte, hätte sicherlich empörte Reaktionen geerntet.

Einige autonome Blumenkinder aus Göttingen: Hanf auf dem Campus Göttingen

Hanf auf dem Campus Göttingen

Mal nebenbei gefragt: Habt Ihr bei Euren Aktionen eigentlich Industrie-Hanf ausgesäht oder habt ihr „potente“ Sorten verwendet?

Bei 20 Kilogramm verteilten Hanfsamen dieses Jahr wären wir sicherlich arm gewesen, hätten wir „potente“ Sorten verwendet. Aber in unserem Bekenner*innenschreiben steht nicht umsonst „größtenteils THC-arm“: Wir wollen das bewusst offenlassen, um der Polizei die Suche nach dem berühmten Joint im Grashaufen ans Herz zu legen. Rein äußerlich sind die Pflanzen nicht unterscheidbar – möglich ist also alles!

Zum Schluss: ein Ausblick in die Zukunft. Es ist kein Geheimnis, dass die „autonomen Blumenkinder“ der Grünen Jugend Göttingen nahe stehen. Daraus schließe ich, dass ihr Euch für politische Arbeit interessiert. Was glaubt ihr, in welchen Schritten eine Entkriminalisierung oder Legalisierung von Cannabis in Deutschland umgesetzt werden könnte?

Es grünt am Grünen-Zentrum in Göttingen

Es grünt am Grünen-Zentrum in Göttingen

Es ist sicherlich richtig, dass wir von der Grünen Jugend Göttingen sehr viel Support bekommen haben, zum Beispiel in Form des Cannabis-Fotowettbewerbes. Diese solidarische Zusammenarbeit haben wir immer als sehr fruchtbar wahrgenommen, daraus ist auch die oben genannte Broschüre entstanden. Grundsätzlich stehen aber viele von uns Parteien und dem gesamten Parlamentarismus eher kritisch gegenüber, weswegen wir uns auch nicht in einer Partei engagiert haben, um die Entkriminalisierung des Cannabis voranzutreiben. Die direkte Aktion, das bewusste Bewegen außerhalb des gesetzlichen Rahmens, ist eher unser Mittel der Wahl.
Allerdings steht die Revolution im Augenblick nicht vor der Tür, insofern sind progressive Kräfte innerhalb des existierenden Parteienspektrums für uns notwendige Bündnispartner*innen. Unsere Strategie ist, die Zivilgesellschaft für unsere Ziele einzunehmen und dadurch Druck auf die Regierenden auszuüben. Wir rufen deswegen auch explizit zum Nachmachen auf – Die Bewegung der Autonomen Blumenkinder muss wachsen und gedeihen!

Vielen Dank für das Interview!

Alle Bilder der Aktion mit freundlicher Genehmigung der OG Göttingen der Grünen

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